Erschienen in Ausgabe 7-2017Unternehmen & Management

Crunch-Time

Verband der Privaten Krankenversicherung bündelt in der Debatte um die Dualität seine Kräfte für die Bundestagswahlen

Von Sascha SchulzVersicherungswirtschaft

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Haben Befürworter der Bürgerversicherung überhaupt Argumente? Wer die Jahrestagung des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) Ende Juni besucht hat, kann sich das nur schwer vorstellen. Für den PKV-Vorstand indes wird es ein kurzer Weg ins Kanzleramt und in den Bundestag sein, wenn in knapp drei Monaten gewählt wird. Schon vorher wäre aber ein kleiner Ausflug wohl notwendig, denn die Branche sieht „rot“. SPD, Linke und Grüne machen Wahlkampf mit der Abschaffung der privaten Krankenversicherung, verpackt in einen Terminus, der an den „Volkscomputer“ erinnert: die „Bürgerversicherung“.
Uwe Laue, gerade als Verbandspräsident wiedergewählt, ruft in seinem Eröffnungsplädoyer einen Vergleich zwischen dem nicht gerade erfolgreichen „Geschäftsmodell“ der DDR und der potenziellen Einführung einer Einheitskrankenversicherung auf. „Lassen wir die ideologischen, rückwärtsgewandten Scheindebatten. Eine Bürgerversicherung ist der Turbolader für ein echtes Zweiklassensystem.“ Bei der Jahrestagung treten eine Reihe hochkarätiger Experten auf und präsentieren Details, die die Sinnhaftigkeit einer „politisch angeordneten Gleichmacherei“ ins Wanken bringen sollen.

Phantomdebatte um Wartezeiten

Der oberste Wahlforscher Matthias Jung zeigte auf, wie wahrscheinlich es denn sein werde, dass Rot-Rot-Grün gewinnt. Darüber hinaus erklärte er, warum im Wahlkampf nun ausgerechnet das Thema „Krankenversicherung“ auf die Parteiagendas gerutscht ist. Klaus Dauderstädt, als Bundesvorsitzender von Beamtenbund und Tarifunion ein engagierter Vertreter der größten Kundengruppe der privaten Krankenversicherer, betonte, dass die deutsche Beamtenschaft natürlich nicht in die GKV wechseln wolle, und auch ansonsten gegenüber normalen Arbeitnehmern nicht übervorteilt werde. Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery seinerseits sei nicht vorbeigekommen, um sich für die beschlossene Honoraranpassung von 5,8 Prozent für die anstehende neue GOÄ zu bedanken. Er sei stolz darauf, dass hierzulande niemand „milde Gaben“ oder „Almosen“ empfängt, der zum Arzt geht. Die Debatte rund um die Bürgerversicherung indes bremse die PKV auf Verbandsebene nach eigenen Angaben aus. Es wäre besser gewesen, die Zeit für Innovatives zu nutzen: Digitalisierung, demografischer Wandel, flächendeckende Versorgung auf dem Land durch Telemedizin, Nutzung der Potenziale individualisierter Medizin. EU-Nachbarn wie die Esten schmunzeln, so Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der deutschen Arbeitgeberverbände…