Erschienen in Ausgabe 7-2017Unternehmen & Management

Gothaer-Konzern: Dünne Eigenkapital­decke in Leben – Kraftfahrt trägt stark zum Gewinn bei – Auslandstöchter mit Verlust

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Die Gothaer Lebensversicherung AG weist zum Bilanzstichtag 2016 eine Bedeckungsquote für das Solvenzkapital von 212% bei Nutzung von Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen auf. Nur mit der Volatilitätsanpassung wären es nur 106% gewesen – und ohne alles reicht es nur zu 89%. Konzernchef Karsten Eichmann verteidigt die niedrige Quote mit einer strategisch optimalen Assetallokation. Für eine höhere Solvenzquote hätte man stärker in Staatsanleihen investieren und dafür unter anderem auf Rendite aus Immobilien und Credits, die beide stärker mit Eigenkapital zu unterlegen sind, verzichten müssen. Immobilien machten zum Jahresende 8,9 (8,7)% der Kapitalanlagen (Marktwerte) aus; mittelfristig soll ihr Anteil auf 10% wachsen. 24,8 (24,4)% der Anlagen sind in Credit-Instrumenten angelegt. In der Lebensversicherung baut die Gothaer das Geschäftsfeld um: klassische Garantieprodukte werden im Privatkundengeschäft praktisch nicht mehr verkauft. Die Gothaer Kranken kommt mit Vola-Anpassung und Übergangsmaßnahmen auf 777% und ohne Übergangsmaßnahmen auf 412%. Der Konzern erzielt 220% bzw. 140%. Mit Volatilitätsanpassung erreicht die Bedeckungsquote der Gothaer Allgemeinen 202%.
Dank des um 17,4% höheren Konzernüberschusses wurde das Konzerneigenkapital um 8,8% auf 2,0 Mrd. Euro aufgestockt. Der Ergebnissprung resultiert aus dem um knapp ein Drittel auf 1,6 Mrd. Euro verbesserten Kapitalanlageergebnis. „Wir haben kein Tafelsilber verkauft“, sagte Finanzvorstand Harald Epple. Im Zuge der taktischen Portfoliosteuerung und auch vor dem Hintergrund von Solvency II sei ein Teil einer großen Unternehmensbeteiligung verkauft worden, um deren dominierende Gewichtung zu beseitigen, so der Konzerngeschäftsbericht. Konkret wurde unterjährig vorübergehend die Zinsduration verkürzt, vor der Wahl in Frankreich entsprechende Zinspapiere verkauft und sich aufgrund einer guten Gelegenheit von der Beteiligung an der Tankkarten-Firma DKV getrennt. Letzteres brachte 230 Mio. Euro Ertrag. Diese Mittel dienten dem Aufbau der Zinszusatzreserve um 298 Mio. Euro auf 861 Mio. Euro. Dass die gebuchten Bruttobeiträge konzernweit um 2,3% auf 4,41 Mrd. Euro sanken, begründete Eichmann mit dem eingeleiteten Konsolidierungsprozess. In der Lebensversicherung stammt der Rückgang zu 80% aus dem Verzicht auf Einmalbeitragsgeschäft und in Kranken aus nur geringfügigen Beitragsanpassungen bei einem Rückgang der Vollversicherten. Im Kompositbereich wuchs allein die Gothaer Allgemeine um 1,2% auf 1,7 Mrd…