Erschienen in Ausgabe 7-2017Märkte & Vertrieb

„Wir können nicht alle mitnehmen“

Ergo-Chef Markus Rieß stößt Mitarbeiter mit teuren Reformplänen vor den Kopf

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

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Der Ergo-Konzern arbeitet an einem Mega-Reformprogramm bis zum Jahr 2020. Dann soll das angeschlagene Unternehmen wieder in neuem Glanz erstrahlen. Dafür gibt es massive Stellenkürzungen im Außen- und Innendienst, eine Ausgliederung des klassischen Lebensversicherungsbestandes sowie eine totale Neugestaltung der Bestand- und Leistungs-IT-Systeme. Zudem will sich das Unternehmen ganz stark auf digitale Strukturen und deutlich mehr Geschäft im Ausland fokussieren.
Trotz der massiven Umbrüche soll die Verkaufseffizienz bereits gesteigert worden sein. „Wir sind gut unterwegs. Alle Meilensteine wurden erreicht“, verkündete der Vorstandsvorsitzende Markus Rieß bei einem einjährigen Rückblick auf den laufenden Reformplan. Tempo ist bei der Ergo Programm, in zwei Stunden wurde eine Präsentation von knapp 30 Seiten durchgepeitscht. Daher kam es vielfach auf die Zwischentöne an. So stellte Rieß klar: „Natürlich belastet die Umstrukturierung unser Haus, das will ich nicht schönreden.“ Die Stimmung in Deutschland sei im Vergleich zum Ausland nicht so gut. Viele Mitarbeiter seien verunsichert, ob sie ihren Arbeitsplatz behalten können. Rieß: „Wir können nicht alle mitnehmen.“ Trotzdem gebe es viele, die den massiven Strukturwandel aktiv mittragen würden. Zudem sei personalmäßig das meiste überstanden. Im Außendienst müssen noch rund 325 Stellen abgebaut werden. Hier sind bereits 75  Prozent der geplanten Kürzungen unter Dach und Fach. Im Innendienst müssen noch rund 330 Stellen gestrichen werden. Hier ist erst ein Drittel der Planzahlen erreicht worden.

Harte Einschnitte, die Wirkung zeigen

Deutlich anders beurteilt übrigens die Gewerkschaft Verdi die Lage. In einer ebenfalls zum Jahrestag des Reformstarts veröffentlichten Mitteilung sieht die Arbeitnehmervertretung 3.000 Arbeitsplätze gefährdet. „Das wäre der größte Personalabbau in der Geschichte der Ergo“, betont Verdi. Der zuständige Gewerkschaftsvertreter Frank Fassin, bezweifelt, dass angesichts der massiven Arbeitsplatzkürzungen sozial verträgliche Lösungen immer möglich seien. Ein Indiz, dass der Personalabbau für viel Unruhe beim Düsseldorfer Konzern sorgt, ist auch eine Eigeninitiative, mit der der Versicherer um Vertrauen beim Außendienst wirbt. So tourt ein „roter Ergo Bus“ mit jeweils zwei Experten aus der Verwaltung an Bord durch Deutschland. „Die Agenturen erhalten von ihnen Fachinfos aus erster Hand und können mit den Experten zu vertriebsrelevanten Themen diskutieren. Gelegentlich werden auch Vorstände…