Erschienen in Ausgabe 7-2017Märkte & Vertrieb

Spiel mit dem Risiko

Tax Liens als Geschäftstreiber nach amerikanischem Vorbild

Von Mathias von BredowVersicherungswirtschaft

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Wer in den USA der öffentlichen Hand Immobiliensteuern oder Gebühren schuldig bleibt, findet seine Immobilie bald auf einem staatlichen Internet-Portal wieder. Dort tauchen die Außenstände als „Liens“ oder „Tax Liens“ auf. Es sind grundpfandgesicherte Steuerschuldverschreibungen, die käuflich zu erwerben sind. Die zugehörigen Liegenschaften dienen den Investoren als lastenfreie Sicherheit. Gesetzliche Basis für die hierzulande nahezu unbekannte Vorgehensweise ist ein altes System des Schuldnerrechts, das bis in die Gründungszeit Amerikas zurückreicht. Bei säumigen Zahlern werden die Behörden schnell aktiv, da sie auf die Einnahmen dringend angewiesen sind. Über 80 Prozent der öffentlichen Ausgaben für Sicherheit, Bildung und Infrastruktur im County werden daraus finanziert.
Wie geht es dann weiter? Der Investor übernimmt die Außenstände des Schuldners. Die „Liens“ wurden zuvor vom Staat mit einer relativ kurzen Laufzeit von sechs Monaten bis max. fünf Jahren versehen und werden je nach Bundesstaat mit bis zu 36 Prozent verzinst. Sollte der Schuldner innerhalb dieser Frist nicht zahlen, geht die Immobilie lastenfrei in den Besitz des Investors über. Auch etwaige im Grundbuch eingetragene Banken haben dabei das Nachsehen. Häufig kommt es vor, dass Banken hier für die Schuldner einspringen. Begleicht der Schuldner oder seine Bank innerhalb der Frist die Außenstände, werden in jedem Fall die monatlichen Zinszahlungen an den Investor fällig. Neben Staat und Investor hat das Verfahren indes auch für den Immobilienbesitzer Vorteile: Er gewinnt Zeit und bekommt so die Chance, seine finanziellen Dinge zu regeln.

Versicherer investieren bis zu 15 Prozent ihres Kapitals in Tax Liens

Was das Geschäft mit Tax Liens auch für deutsche Versicherer oder Pensionskassen interessant macht? Grundsätzlich kann jeder Investor aus dem In- und Ausland Tax Liens erwerben. „Auch wenn die Beteiligung quasi vom heimischen Computer aus erfolgen kann, sollten doch eine gewisse Grundkenntnis, Funktionsweisen und Regeln sowie Vorort-Kontakte vorhanden sein“, empfiehlt Árpád von Tóth-Máté, Vorstand der Tax Liens Investment AG in Zug. Sein Unternehmen ist mit dem US-Produkt vor fünf Jahren erstmals auf den europäischen Markt vorgestoßen. Im Gegensatz zu den gängigen Kapitalanlagen seien Tax Liens ein reines staatliches Zinsersatzprodukt. Die Banken seien davon in den USA per Gesetz ausgeschlossen und zeigten daran folgerichtig kein Interesse. Zielgruppe der AG sind überwiegend größere…