Erschienen in Ausgabe 7-2017Märkte & Vertrieb

Digitale Nuggets zum Mondpreis

Das Internet-Geld Bitcoin löst eine Goldgräberstimmung aus, dabei geht es bei der Technologie um Macht und deren Umverteilung

Von David GorrVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Lange als Spielgeld für Nerds und Cyberkriminelle abgestempelt, hat die 2008 von einem unbekannten Programmierer entwickelte Digitalwährung Bitcoin einen gewaltigen Aufschwung erlebt. Seit Oktober 2016 hat sich der Wechselkurs auf über 2.500 Dollar im Juni 2017 vervierfacht und ist deutlich teurer als eine Feinunze Gold. Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hat schon früh in die digitale Münze investiert. „Ich mag die Technologie dahinter. Jede Transaktion ist transparent und abgespeichert“, erklärt der Tech-Guru. Dieses transparente Datenregister heißt bei Bitcoin „Blockchain“, es gilt als genauso gut wie fälschungssicher, weil alle Informationen miteinander verkettet sind. „Bitcoin-Wechselstuben wurden Opfer von Hacker-Angriffen, aber die Bitcoin-Blockchain gilt als sicher. Das schafft natürlich Vertrauen“, erklärt Professor Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management. Nur welche Person sich hinter einem Konto verberge, sei in der Regel unbekannt. Ende Mai 2017 waren insgesamt rund 16,36 Millionen Bitcoins im Umlauf. Pro Tag werden auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt – ohne die Mithilfe einer Zentralbank. Kein Politiker kann den Geldhahn aufdrehen und für eine digitale Inflation sorgen.

Unbestechlichkeit durch Dezentralität

In dieser fehlenden zentralen Instanz sieht die Bundesbank ein großes Problem. Während Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele im Mai die Bitcoins noch als reines „Spekulationsobjekt“ brandmarkte, plädiert Bundesbank-Präsident Jens Weidmann inzwischen dafür, dass Zentralbanken ihre eigenen digitalen Währungen ausgeben sollten, um dem Durchschnittsbürger das Gefühl zu geben, dass derartige Währungen stabil und sicher seien. Das würde aber laut Weidmann bedeutet, dass Bürger bei einem Banken-Run noch schneller ihre Euros in Bitcoins umtauschen könnten. Die Gefahr der Bankenstürme könne demnach rapide ansteigen.
Derzeit unterliegen Bitcoins nicht der für Banken üblichen Einlagensicherung. Im Falle eines Bankrotts der in Deutschland beliebten Plattform Bitcoin.de, die über eine Bafin-Zulassung verfügt, gehen die digitalen Münzen verloren. Die Banken der Zukunft heißen ohnehin Amazon, Apple oder Alphabet (Google), glaubt Finanzexperte und Autor Markus Miller. Der Vorteil von Bitcoins sei vor allem, dass sie im Gegensatz zu Papiergeld nicht auf Schulden basieren. „Je höher die Schulden, desto weniger wert ist das Papiergeld. Die…