Erschienen in Ausgabe 7-2017Köpfe & Positionen

Leistungsanreize

Zu Titelreport: „Stille Unruhe im Herzstück“,

Von Winfried SchneppVersicherungswirtschaft

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Vorstandsvergütungen rücken wieder in den Fokus öffentlicher Diskussionen. Bei der Hauptversammlung der Munich Re im April 2017 stimmten etwa fast zwei Drittel der Aktionäre gegen den zur Abstimmung gestellten Vergütungsbericht und verweigerten damit die Billigung des seit Anfang 2013 geltenden Systems zur Vergütung der Vorstandsmitglieder. Ist die Kritik an der Vorstandsvergütung berechtigt? Die Ausgestaltung des Vergütungssystems ist – bedingt durch Solvency II – nur prinzipienbasiert und damit nicht abschließend geregelt. Zudem ist sie über verschiedene Rechtsquellen verteilt. Unterschiede bestehen zudem zwischen den Solvency II und den weiterhin Solvency I unterfallenden Unternehmen. Generell gilt: Das Vergütungssystem muss angemessen, transparent und auf eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens ausgerichtet sein. Zu beachten ist dabei das Proportionalitätsprinzip. Die allen Mitarbeitern gemeinsam gewährten Vergütungen dürfen eine angemessene Kapitalausstattung des Versicherungsunternehmens nicht gefährden. Für Vorstandsmitglieder sind, neben den festgelegten Vergütungsleitlinien und -praktiken, spezifische Vergütungsvereinbarungen zu treffen. Eine Aufteilung in einen festen und einen variablen Vergütungsbestandteil ist nicht zwingend. Eine reine Fixvereinbarung ist nur zulässig, soweit damit keine Fehlanreize im Hinblick auf eine unangemessene Steigerung der Risikoneigung und die Eingehung unverhältnismäßiger Risiken verbunden sind. Ist eine teilweise variable Vergütung vorgesehen, darf bei Solvency-II-Unternehmen ein wesentlicher Teil dieses Vergütungsbestandteils in der Regel nur gestreckt über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren ausgezahlt werden. Nach der Auslegungsentscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beträgt dieser „wesentliche Teil“ bei Solvency-II-Unternehmen mindestens 60 Prozent der variablen Vergütung.
In der Praxis ähneln sich die Vergütungsmodelle der Solvency-II-Unternehmen. In der Regel setzt sich die Vergütung des Vorstands aus einem festen Grundbetrag und einem variablen Teil zusammen. Der variable Anteil beläuft sich bei vielen Versicherern auf 60 oder 70 Prozent. Eine reine Fixvereinbarung besteht in den wenigsten Versicherungsunternehmen. Die Höhe des variablen Anteils hängt von der individuellen Leistung des Vorstandsmitglieds und dem Gesamterfolg des Unternehmens ab. Gegebenenfalls wird auch der Erfolgsbeitrag eines Geschäftsbereiches berücksichtigt. Die Bewertung von Leistung und…