Erschienen in Ausgabe 7-2017Märkte & Vertrieb

Auf den Kopf gestellt

Rasante Entwicklungen um das autonome Fahren setzen Versicherern mächtig zu. Was Mut macht, sind die Geschäftschancen

Von Sascha SchulzVersicherungswirtschaft

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Während sich die Hersteller auf eine Mobilitätsrevolution mit selbstfahrenden Autos vorbereiten, diskutieren Versicherer schon heute über den Fortbestand des derzeitigen Kfz-Versicherungsmodells für autonome Fahrzeuge, die frühestens in zehn Jahren den Markt durchdringen und sehr wahrscheinlich auch völlig neue Nutzungsarten mit sich bringen. Selbstfahrende Autos sind das derzeit am meisten diskutierte Thema in der Fahrzeugindustrie.
„Durch eine steigende Zahl von hoch- und vollautomatisierten Fahrzeugen im Markt wird die Unfallwahrscheinlichkeit kontinuierlich sinken“, sagt ein BMW-Sprecher gegenüber Versicherungswirtschaft. Das Institut für Mobilitätsforschung (IFMO) schätzt den Marktanteil „autonomer“ Kfz bis 2035 in Deutschland auf 17 bis 42 Prozent (siehe S. 26). Bei rund 56 Millionen zugelassenen Autos hierzulande ein beachtliches Potenzial. Auch bei den 2,9 Millionen LKW und rund einer Million Kleintransportern stehen die Zeichen auf Innovation. Erste selbstfahrende Lastkraftwagen sind im Ausland bereits im Einsatz, selbstfahrende Busse im Stadtverkehr sollen bald folgen.

Jeder will ein Stück vom Kuchen

Der „Buzz“ rund um das Thema autonomes Fahren ist gewaltig. Etablierte Zulieferer von Fahrzeugelektronik liefern sich ein Rennen mit Unternehmen, die bislang eher aus der IT-Branche bekannt waren: Intel akquirierte kürzlich Mobileye, Technologiepartner von BMWs iNext-Programm. Pionier Google, der mit über 50 Fahrzeugen und wöchentlich mehr als 20.000 Kilometern im dichten US-Stadtverkehr wohl über die meiste Erfahrung verfügt, hat sein Auto-Projekt in ein eigenes Unternehmen namens Waymo ausgegliedert. Die chinesische Suchmaschine Baidu will Busse durch Chinas Innenstädte sausen lassen und stellt eine offene Entwicklungsplattform zur Verfügung. BMW-Chef Harald Krüger seinerseits terminierte Anfang Mai die Einführung eines selbstlenkenden, elektrisch fahrenden Autos aus seinem Haus auf 2021. Teslas CEO Elon Musk versprach im Januar „innerhalb von sechs Monaten definitiv eine erste Version“ eines erweiterten Autopiloten mit hoher Selbstfahrkompetenz.
Auch deutsche Versicherungsgesellschaften vertreten ihre Standpunkte bei diesem Zukunftsthema, bei dem es um möglichen Anpassungsbedarf von Kfz-Produkten geht. Dabei steht noch gar nicht fest, welche Nutzungsmodelle sich im Markt durchsetzen werden. Im Fall eines Unfalls während einer hoch- oder vollautomatisierten Fahrt greift auch in Zukunft zuerst die obligatorische Haftpflicht des Fahrzeughalters zur…