Erschienen in Ausgabe 7-2017Unternehmen & Management

Fairness gewinnt

Wie Interessenkonflikte beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten unter IDD zu bewältigen sind

Von Eva BerberichVersicherungswirtschaft

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Das Spektrum an Tätigkeiten, die mittelständische Versicherungsvermittler, aber auch große Vermittlungsunternehmen ausüben, vergrößert sich zunehmend. Hierbei haben sie schon jetzt im Rahmen des Versicherungsvertriebs bei einer anlassbezogenen Beratung die Wünsche und Bedürfnisse des (potenziellen) Versicherungsnehmers zu erfragen. Der Versicherungsmakler hat, neben seinen eigenen Interessen, als Interessenvertreter des Versicherungsnehmers dessen Interessen zu berücksichtigen. Der Versicherungsvertreter hat zusätzlich die Interessen des Versicherungsunternehmens zu beachten. Diese können unter Umständen gegenläufig sein, unter anderem weil Vertreter und Makler von den Unternehmen für die Vermittlung und gegebenenfalls den Abschluss von Versicherungsverträgen direkt oder indirekt über die Prämie finanzielle und nicht-finanzielle Vorteile erhalten und damit in einer gewissen Abhängigkeit stehen. Die europäische Versicherungsvertriebsrichtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) sieht vor allem bei Versicherungsanlageprodukten, sogenannten IBIPs, Potenzial für Interessenkonflikte. Dieses sucht sie durch bestimmte Maßnahmen zu entschärfen, die vermeiden sollen, dass solche Interessenkonflikte die Interessen des Kunden beeinträchtigen.

Verpflichtung zu Ehrlichkeit und Professionalität

Hierbei wird nicht nur das Versicherungsunternehmen, sondern auch der Vermittler in die Pflicht genommen. Die Richtlinie verlangt gemäß Art. 17 Abs. 1 IDD für alle Versicherungsprodukte, dass die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass Vermittler bei ihrer Vertriebstätigkeit gegenüber ihren Kunden stets ehrlich, redlich und professionell in deren bestmöglichem Interesse handeln. Weiterhin schreibt sie in Art. 17 Abs. 3 IDD vor, dass Vermittler nicht so vergütet werden dürfen, dass dies mit der Pflicht, im bestmöglichen Interesse des Kunden zu handeln, kollidiert.
Für Versicherungsanlageprodukte ist nach Art. 27, 28 Abs. 1 IDD zusätzlich vorgesehen, dass der Versicherungsvermittler alle geeigneten Maßnahmen trifft, um Interessenkonflikte zwischen den Beteiligten zu erkennen und diejenigen Interessenkonflikte, die dem Kundeninteresse schaden, grundsätzlich durch angemessene organisatorische und verwaltungsmäßige Vorkehrungen zu verhindern. Soweit potenzielle Interessenkonflikte trotz dieser Vorkehrungen nicht ausgeschlossen werden können, sind die Art beziehungsweise die Quellen dem Kunden rechtzeitig vor Abschluss des Versicherungsvertrags eindeutig offenzulegen. Weiterhin hat die…