Erschienen in Ausgabe 7-2017Märkte & Vertrieb

Kostspielige Allfinanz-Schlacht

Der britische Versicherer Aviva zieht sich aus Spanien zurück

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Die Transaktion zeigt unsere absolute Fokussierung auf einen effektiven Kapitaleinsatz zur Stärkung unserer Kapital- und Liquiditätsausstattung“, sagt Aviva-CEO Mark Wilson. Der britische Versicherer verkauft das Lebensversicherungs- und Pensionsfondsgeschäft seiner spanischen Tochtergesellschaft, sowie seine strategischen Allfinanzbündnisse mit den Kreditinstituten Unicaja Banco und EspañaDuero. Der Käufer ist das spanische Assekuranzhaus Santalucía, die 446 Mio. Euro auf den Tisch legt. Beraten wurde Santalucía dabei von der BNP Paribas, die Deutsche Bank half Aviva. Die Transaktion beinhaltet den Verkauf der spanischen Tochtergesellschaft Aviva Vida y Pensiones, die auf die Lebensversicherung und Pensionsfonds spezialisiert ist. Darüber hinaus veräußert Aviva ihre Beteiligungen in Höhe von jeweils 50 Prozent an den beiden Bancassurance-Lebensversicherern Unicorp Vida und Caja España Vida. Beide sind Joint Ventures mit den Kreditinstituten Unicaja Banco und deren Tochtergesellschaft España Duero. Sie werden ihre Beteiligungen in Höhe von jeweils 50 Prozent weiterhin behalten. Die Santalucía wird die Aviva als strategischen Partner ersetzen.

Nachwehen der Finanzkrise

Für Aviva ist dieser Schritt der Beginn des definitiven Rückzugs aus dem spanischen Markt. Mit einer Investitionssumme von insgesamt rund einer Mrd. Euro verfolgte sie über ein Jahrzehnt hinweg eine aggressive Expansionsstrategie mittels Joint Ventures mit spanischen Sparkassen. Im Rekordtempo war sie zur drittgrößten Versicherungsgruppe Spaniens mit Geschäftsschwerpunkt Lebensversicherung aufgestiegen. Bancassurance hat in Spanien insbesondere in der Lebensversicherung eine herausragende Bedeutung. Dort werden über zwei Drittel des Geschäfts über Bankschalter verkauft. Durch den Kollaps fast aller spanischen Sparkassen während der Immobilien- und Bankenkrise forcierte die spanische Regierung die Fusionierung notleidender Sparkassen zu größeren Einheiten oder deren Übernahme durch gesunde Bankinstitute. Zuletzt kaufte die spanische Großbank Santander die Krisenbank Banco Popular für einen symbolischen Preis von einem Euro. Auch viele Allfinanzbündnisse der Aviva wurden obsolet, weil sich die neu fusionierten Gruppen bestehend aus mehreren Sparkassen aufgrund konkurrierender Allfinanzbündnisse aus den Joint Ventures mit der Aviva zurückzogen. Deren Geschäftsmodell für Spanien hat damit seine Grundlage verloren. Angesichts des kontinuierlichen Verlusts der Vertriebskraft hat sich Aviva…