Erschienen in Ausgabe 7-2017Märkte & Vertrieb

Revolution im Schritttempo

EU einigt sich mit London auf Brexit-Fahrplan – währenddessen empanzipieren sich Hiscox und andere Syndikatsriesen von Lloyd’s

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Der Terror in Europa nimmt kein Ende, fast schon im Wochentakt gibt es in Großbritannien Attacken von Islamisten, aber auch gegen Muslime. Als wäre das nicht genug, zweifeln viele Bürger nach der als wenig einfühlsam empfundenen Reaktion auf die Brandkatastrophe in Kensington, ob Theresa May als Premierministerin noch tragbar ist. Vor diesem Hintergrund startete im Juni mit den Brexit-Verhandlungen wohl die größte Herausforderung, die eine britische Regierung seit Jahrzehnten meistern musste. Nach dem desaströsen Wahlergebnis bei der von ihr angesetzten Parlamentswahl geht May stark geschwächt in die Austrittsgespräche. Durch den Verlust der absoluten Mehrheit ist die Konservative Partei nun auf die Zusammenarbeit mit der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) angewiesen. Die kleine protestantisch-konservative Partei sieht sich in der Lage, weitreichende Forderungen an May zu stellen.
Nach der ersten Gesprächsrunde in Brüssel steht zumindest der Fahrplan: Zunächst sollten die Rechte der durch den EU-Austritt betroffenen Bürger, die Finanzforderungen an Großbritannien sowie andere „Trennungsfragen“ verhandelt werden, sagte der EU-Verhandlungsführer Michel Barnier. Die nächste Gesprächsrunde soll am 17. Juli beginnen. Weitere Runden sind für die Wochen ab dem 28. August, dem 18. September und dem 9. Oktober vorgesehen. Fraglich, ob May zu dieser Zeit noch im Amt ist. Sollte sie ihr Regierungsprogramm Ende Juni nicht durch das Parlament bekommen, drohen die Konservativen mit einem Misstrauensvotum.

Warum Versicherer Dublin meiden und Lloyd’s zerbricht

Lloyd’s hat sich entschlossen mit Rücksicht auf das zu erwartende Ende der Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit die EU-Geschäfte via eine in Brüssel ansässige Vorschalt-Gesellschaft zu zeichnen, doch fiel beim wichtigen Lloyd’s Player Hiscox die brexitbedingte Entscheidung in Sachen Ausweichstandort zugunsten Luxemburg. Zentrale Funktionen wie Compliance, Risk Management und Internal Audit werden bei der neuen Gesellschaft angesiedelt. Die bereits vorhandenen Hiscox-Niederlassungen in EU-Staaten werden wohl zu Niederlassungen des neu zu lizensierenden Luxemburgischen Versicherers. Auch die bislang aus London operierenden US-Versicherer AIG und FM Global haben sich bereits für Luxemburg entschieden.
Die Hiscox-Entscheidung könnte für Lloyd’s große Probleme schaffen: Eine ganze Reihe von Syndikatsgruppen weist Bruttoprämien von über eine Mrd. Pfund sowie ein eigenes Rating auf. Sie haben es nicht nötig…