Erschienen in Ausgabe 7-2017Märkte & Vertrieb

Ernüchternde Bilanz

Insurance Europe fordert umfassendere Änderungen bei den Kapitalanforderungen für Versicherer

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Die Halbzeitbilanz der Juncker-Kommission fällt aus Sicht der europäischen Versicherungswirtschaft nach zweieinhalb Jahren mager aus. „Die von der EU-Kommission zu Beginn ihres Mandates geweckte Hoffnung bei der Vorstellung der Kapitalmarktunion (CMU), Langzeitinvestitionen fördern zu wollen, hat sich nicht erfüllt“, zog die Generaldirektorin von Insurance Europe, Michaela Koller, Mitte Juni kritische Bilanz. Zwar seien positive Schritte erkennbar, doch sei mehr Ambition erforderlich, um die CMU tatsächlich zum Erfolg zu führen.
Positiv sieht Insurance Europe die Bemühungen, Infrastrukturen in der EU voranzubringen sowie die Themen Privatverschuldung und wertpapiermäßige Unterlegung von Verbindlichkeiten – also die Substitution von Bankkrediten durch handelbare Wertpapiere und Eigenkapitalhinterlegung zu forcieren. Um die Kapitalmarktunion mit Leben zu erfüllen, bedürfe es umfassender Änderungen bei den Kapitalanforderungen. Es sei notwendig, das tatsächliche Risiko realistisch abzuschätzen, das Versicherer bei dem großen Spektrum von Langzeit-Assets eingehen.„Unglücklicherweise hat die EU-Kommission die fehlerhafte Annahme noch nicht korrigiert, dass Versicherer wie Börsenhändler spekulierten“. Diese Fehleinschätzung führe zu unangemessenen hohen Kapitalhinterlegungsanforderungen für Long-Term Assets unter dem Solvency II Regime. „Dies hält Versicherer von Langzeitinvestitionen ab“, gibt Koller zu bedenken. Insurance Europe unterstütze den Vorschlag einer notwendigen Eigenkapitalunterlegung von Versicherern. Es sei jedoch enttäuschend, dass die CMU-Halbzeitbilanz von der EU-Kommission nicht dazu genutzt worden sei, ehrgeizigere Schritte zu unternehmen, um Abschreckungsmaßnahmen abzubauen.
„Da wir in die entscheidende Phase der Kapitalmarktunion eintreten, fordern wir die EU-Kommission auf, entschiedenere Maßnahmen für die Behandlung von Langzeitinvestitionen im Allgemeinen zu ergreifen“, sagt Koller. Am dringendsten sei die Behandlung von Kapitalinvestitionen und Investitionen in Aktien. Es müsse verhindert werden, dass weitere Vorschläge auf den Tisch kommen, die die Fähigkeit von Versicherungsunternehmen zugunsten von Langzeitinvestitionen weiter einschränkten. Die Kapitalmarktunion zielt darauf ab, verstärkt privates Kapital in wachsende Unternehmen, Infrastrukturvorhaben, die Energiewende und andere Projekte zur Unterstützung des nachhaltigen Wachstums zu lenken. Der Abbau von Hindernissen für den freien, grenzübergreifenden Kapitalverkehr soll nach…