Erschienen in Ausgabe 6-2017Schlaglicht

„Wir brauchen keine Bank, die uns das Versicherungsgeschäft erklärt“

Philippe Donnet, Chief Executive Officer der Generali, über wirtschaftliche Vitalität auf internationalen Märkten

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Er betritt den Raum ohne Getöse, fast leise, tritt direkt auf seine Gesprächspartner zu und stellt sich erstmal vor. So viel Understatement ist selten in den Führungsetagen der internationalen Konzerneliten. Bei allem Wind, den seine Entourage entfacht, bleibt Philippe Donnet, seit März 2016 Vorstandschef der internationalen Generali-Group, bescheiden. Effekthascherei ist sicher nicht die Sache des 56-jährigen Franzosen, der als erster Nicht-Italiener an der Führungsspitze des Triester Traditionshauses steht. Im Gespräch wirkt er aufgeräumt und offen, hie und da sind seine Bemerkungen mit feiner Ironie durchsetzt. Ein neuer Typus von Spitzenmanager – vor allem für Italien, wo die Konzernlenker oftmals noch heute auftreten wie Monarchen nebst Hofstaat.
In dieser Hinsicht mag Donnet, der erst 2013 zur Generali-Gruppe stieß, tatsächlich ein Fremdkörper im Mikrokosmos der italienischen Finanzwelt sein. Von seinen engsten Mitarbeitern lässt sich der Chef mit Vornamen ansprechen. Man kann das erfrischend finden. Endlich hält auch auf dem Stiefel eine neue Unternehmenskultur Einzug, die Kompetenz statt Senioritätsprinzip, Kollegialität statt Paternalismus in den Mittelpunkt stellt.
Donnet, Absolvent der renommierten Kaderschmiede „Ecole Polytechnique“ in Paris ist sich dessen bewusst. Er steht klar für eine weitere Internationalisierung von Generali, für Expansion und die Eroberung neuer Märkte. Das er mit dieser Positionierung auf interne Widerstände stößt, ist nicht überraschend. Die Bewahrer der „Italianità“ des Triester Löwen haben versucht, Donnet seit seinem Amtsantritt systematisch auszubremsen. In den Führungsgremien, so ist zu hören, kam es immer wieder zu Konflikten; so dürfte auch der Rücktritt des Generali-CFO Alberto Minali Ende Januar im Zusammenhang mit diesem Kapitel stehen. Generali gilt traditionell als einer der Hauptfinan­ziers des italienischen Staates. Kaum ein Infrastrukturprojekt oder Investitionsfond der öffentlichen Hand kommen ohne die Finanzkraft der mächtigen Assekuranzgruppe aus. So ist der Konzern etwa ein Großanteilseigner am umstrittenen Bankenrettungsfond „Atlante“, der die faulen Kredite, auf denen viele Banken und Sparkassen sitzen, auffangen soll. In Rom gilt der Versicherer als national systemrelevant – es gibt gerade in der Politik ein erhebliches Interesse daran, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Und Donnet ficht das nicht an.
Ob es da wohl ein „Old-Boy-Network“ gebe, das im Steine in den Weg rollt? Donnet lächelt…