Erschienen in Ausgabe 6-2017Unternehmen & Management

VHV: Kräftiges Wachstum – Hoher Gewinn – Upgrade beim Rating – Digitalisierung kommt voran

Von Claudia Schmidt-WehrmannVersicherungswirtschaft

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Die VHV Gruppe hat im vergangenen Jahr die In­frastruktur geschaffen, um 2017 die Abwicklung ihres Geschäftes weiter zu automatisieren. Ziel ist es, wie Vorstandschef Uwe H. Reuter bei der Vorlage der Bilanz 2016 erklärte, auf dem Gebiet der Digitalisierung in der Branche einen gewissen Vorsprung zu erarbeiten. Bislang hatte die Ausweitung der sogenannten Dunkelverarbeitung keine Arbeitsplätze gekostet. Im Gegenteil konnte dank des kräftigen Wachstums die Zahl der neuen Stellen weiter gesteigert werden. In den vergangenen drei Jahren hat die VHV insgesamt 300 neue Vollzeitstellen geschaffen und beschäftigt jetzt 3.100 Mitarbeiter.
Die VHV gehört in Deutschland zwar nicht zu den größten Versicherungskonzernen, aber zu den erfolgreichsten. Dies hat dem Versicherer auch die Ratingagentur Standard & Poor’s berscheinigt. Sie hob das Rating erstmals von A auf A+ an. Ausschlaggebend für das Plus war vor allem die Kapital- und Ertragsstärke. Diese spiegelt sich in der hohen Überdeckung der Solvenzkapitalanforderungen ohne Nutzung von Übergangsmaßnahmen von 320 Prozent in der Gruppe und 436% bei der Hannoverschen Leben wider.
An Insurtech-Startups, die neue technische Systeme und alternative Geschäftsmodelle entwickeln und damit die Versicherungswirtschaft revolutionieren wollen, hat sich die VHV laut Reuter noch nicht beteiligt. Denkbar seien aber Kooperationen. Statt einer direkten Beteiligung baue die VHV auf die Innovationskraft der eigenen Mitarbeiter. Sogenannte Scouts sollen zudem zukunftsträchtige Entwicklungen in der Branche aufspüren. Dass durch neue technische Systeme initiierte neue Produktangebote aber nicht zwingend zum Erfolg führen, zeigt sich bei den Telematik-Tarifen in der Kfz-Versicherung. Die VHV hat die Idee des „Pay As You Drive“ als einer der ersten Versicherer vor knapp zwei Jahren aufgegriffen. Der Erfolg blieb bislang aus, weil die Kunden und der überwiegend aus Maklern bestehende Vertrieb nicht mitspielen. Ein Verkaufshindernis hat die VHV jetzt beseitigt. Die Box, die die Fahrdaten erfasst und weiterleitet, gibt es jetzt kostenlos. Bislang wurde ein Betrag von 6,99 Euro im Monat fällig. Für ihre Makler allerdings, die wegen der Erklärungsbedürftigkeit der Telematik-Tarife wenig Lust haben das Produkt zu verkaufen, hat die VHV noch keine Lösung parat. Nur rund 2.000 Kunden haben bislang einen Telematik-Tarif abgeschlossen. Bestellt hatte die VHV beim Start 10.000 Boxen. Aufgeben will die VHV jedoch nicht.
Im Gj. 2016 hat die VHV-Gruppe ein im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheres Wachstumstempo vorgelegt. Mit einer Steigerung der Vertragszahlen um 6,3% auf 10,08 Millionen Stück einher ging ein Anstieg der verdienten Bruttobeiträge um 5,3% auf 2,87 Mrd. Euro. Dazu trugen die Kompositsparte ein Beitragsplus von 7,3% und die Hannoversche Lebensversicherung nach dem Vorjahresminus ein Plus von 2,3% bei. Infolge hoher Veräußerungsgewinne von allein 159,2 (Vj.: 33,5) Mio. Euro in der Lebensversicherung wurde das Kapitalanlageergebnis nach dem deutlichen Minus im Vorjahr um insgesamt 19,5% auf 653,9 Mio. Euro verbessert. Die Nettoverzinsung lag trotz anhaltender Niedrigzins­phase bei stolzen 4,3 (3,7)%. Der Jahresüberschuss des Konzerns blieb dennoch mit 127,8 Mio. Euro hinter dem Rekordwert des Vorjahres (140,1 Mio. Euro) zurück. Als Grund für den Rückgang nennt Reuter die auf 756,9 (667,6) Mio. Euro verstärkte Dotierung der Schwankungsrückstellung und ähnlicher Rückstellungen in der Kompositsparte. Das Ergebnis vor Steuern und vor Schwankungsrückstellungen fiel den Angaben zufolge mit 257,8 (243,6) Mio. Euro deutlich höher als der Zielwert aus.
Im Kompositgeschäft beliefen sich die Bruttobeiträge auf 1,90 (1,78) Mrd. Euro. Vertragszahlen und Beitragseinnahmen des Schwergewichts VHV Allgemeine wuchsen nahezu im Gleichschritt. Die Zahl der Verträge stieg um 7,4% auf 8,67 Mio. Stück und die verdienten Bruttobeiträge um 7,3% auf 1,80 Mrd. Euro. Das Wachstum lag über Marktdurchschnitt.
In der Kfz-Versicherung erhöhten sich die Beitragseinnahmen um 8,8% auf 1,21 Mrd. Euro. Mit einem Marktanteil von 4,68% ist die VHV die Nummer vier in Deutschland. Im Jahresendgeschäft 2016 wurden per Saldo 80.300 Verträge neu abgeschlossen. Auch die zweitgrößte Sparte, die Haftpflichtversicherung, weist mit einem Beitragsplus von 5,7% auf 306,4 Mio. Euro ein stabiles Wachstum auf.
Der Direktversicherer Hannoversche Leben weist ein solides Ergebnis aus. Bei einer vor dem Hintergrund hoher Ablaufleistungen leichten Steigerung der Vertragszahlen um 0,6% auf 964.100 erhöhten sich die Beiträge um 2,3% auf 968,6 Mio. Euro. Auf laufende Beiträge entfielen 725,1 (725,6) Mio. Euro, auf Einmalzahlungen 231,9 (209,8) Mio. Euro. Die Fokussierung auf Risikolebensversicherungen, die inzwischen einen Anteil von gut zwei Dritteln am Gesamtbestand ausmachen, hat sich den Angaben zufolge ausgezahlt ebenso wie die niedrige Kostenquote, „eine der Besten am Markt“. Die Stornoquote liegt bei nur 1,8 (2,0)%. Die Hannoversche Leben hat sich, wie Reuter hervorhebt, als Spezialist für biometrische Risiken etabliert und ist seit 2010 Marktführer im Neugeschäft Risikolebensversicherung. Der Zinszusatzreserve wurden weitere 189,0 (107,4) Mio. Euro zugeführt. Da Kapitallebensversicherungen mit hohen Garantiezinsen in den nächsten Jahren auslaufen und Rentenversicherungen mit langen Laufzeiten zu vernachlässigen sind, muss die Zinszusatzreserve künftig deutlich niedriger dotiert werden. Der Rückstellung für Beitragsrückgewähr wurden 783,3 (801,0) Mio. Euro zugeführt. Der Jahresüberschuss wird mit 13,5 (10.2) Mio. Euro ausgewiesen. Das Jahr 2017 hat für die VHV Gruppe nach den Worten von Reuter gut und aussichtsreich begonnen. Die Zahlen lagen alle im Plan. Der Vorstandschef rechnet mit einem soliden Gesamtjahr.cs

VHV Vereinigte Hannoversche Versicherung (in Mio. Euro)

VHV Gruppe20162015
Beitragseinnahmen (brutto)2.8672.721
– davon in Leben957935
– davon in Komposit1.904 1.780
Neugeschäft Leben (Beitragssumme)1.1911.124
Schaden-Kosten-Quote (nur VHV Allgemeine) (in %)91,988,7
Kapitalanlagen15.47314.955
Ergebnis aus Kapitalanlagen654547
Versicherungstechnisches Ergebnis (f.e.R.)94,6138,6
Gewinn (nach Steuern)127,8140,1
VHV Allgemeine20162015
Beitragseinnahmen (brutto)1.7981.677
Beitragseinnahmen (netto)1.7831.568
Versicherungstechnisches Ergebnis (f.e.R.)57,7128,4
Kapitalanlagen4.3994.144
Kapitalanlageergebnis107,4121,1
Gewinn (nach Steuern)132,0177,9
Hannoversche Leben***20162015
Beitragseinnahmen (brutto)957935
Neugeschäft (Beitragssumme)1.1911.124
Stornoquote* (in %)1,82,0
Verwaltungskosten-Quote (in %) 1,291,25
Abschlusskosten-Quote** (in %)4,03,9
Kapitalanlagen10.60110.420
Nettoverzinsung (in %)4,63,6
Gewinn (nach Steuern)13,510,2
* auf den mittleren Bestand der Kapitalversicherungen nach laufendem Beitrag bezogen.** bezogen auf die Beitragssumme des Neugeschäfts.*** Vorjahreszahlen nach Verschmelzung mit VHV Leben