Erschienen in Ausgabe 6-2017Unternehmen & Management

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Roboterautos, 3D-Drucker und Künstliche Intelligenz befeuern Entwicklung neuer Haftungsmodelle bei Industrieversicherern

Von Carsten KrieglsteinVersicherungswirtschaft

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Ob Betriebsunfälle, Umweltschäden, Produktrückruf oder Datendiebstahl: Moderne Haftungsrisiken für Unternehmen sind vielfältig. Die AGCS Global Claims Review untersuchte 100.000 Haftpflicht-Schadenfälle von 2011 bis 2016. Das Ergebnis: Während bessere Sicherheitsstandards zu einer Verringerung von Frequenzschäden geführt haben, nehmen komplexe, internationale Großschäden zu. Gründe sind die wachsende Vernetzung von Firmen und ihren Lieferketten ebenso wie steigendes Anspruchsdenken und ein Trend zu kollektiven Rechtsansprüchen. Ein dritter Treiber für Haftpflicht-Schadenszenarien, zu denen vor allem Cyber, Produkthaftung und -rückruf zählen, sind neue Technologien. Dazu zählt beispielsweise vollautomatisiertes Fahren, was eine starke Verschiebung von Verkehrsunfällen verursacht durch menschliches Fehlverhalten zu Lasten von Produkthaftpflichtschäden für Automobilhersteller und -zulieferer hervorrufen wird. Heute haben rund 90 Prozent der Unfälle personenbezogene Ursachen, weniger als einem Prozent liegt ein technischer Mangel zugrunde. Neben dem autonomen Fahren stehen Elektromobilität, Informations- und Entertainment-Technologien sowie die Vernetzung von intelligenten Fahrzeugen im Fokus. Allein mit der Erhöhung des Softwareanteils im Fahrzeug steigt die Anzahl der potenziellen Fehler in Steuergeräten. Bis zu 80 eingebettete Rechensysteme, 400 Sensoren und ein Gigabyte Software steuern die technischen Extras in Fahrzeugen bereits heute. Die Systemkomponenten stammen in der Regel von unterschiedlichsten Zulieferern, ohne dass sich bislang technische Standards durchgesetzt hätten. Durch den technologischen Umbruch und neue Schnittstellen werden sich auch die Anforderungen an das Qualitätsmanagement verändern müssen, um einen Anstieg von Produktmängeln zu vermeiden.
Automobilhersteller, aber auch branchenfremde Wettbewerber werden sich als Teil der Sharing Economy zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln. Dies wird klassische Haftungsmuster verändern und die Komplexität von Schadenfällen gerade in der Übergangszeit des „Mischverkehrs“ erhöhen. Man stelle sich einen Unfall mit einem autonom fahrenden, gemeinschaftlich genutzten Fahrzeug und einem konventionellen Pkw vor. Hier könnten Autohersteller und Zulieferer, das Carsharing-Unternehmen, Softwareanbieter und Rechenzentren sowie Netzbetreiber in die Schadenregulierung involviert sein.
Neue haftungsrechtliche Fragen stellen sich auch beim 3D-Druck. Bei dieser additiven Fertigung werden digitale 3D-Modelle in…