Erschienen in Ausgabe 6-2017Märkte & Vertrieb

Weg vom Schreibtisch, rein ins Leben

Work-Life-Balance als Wettbewerbsfaktor für Versicherer im War for Talents

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Was vor ein paar Jahren noch ein Ausschlusskriterium bei der Bewerbung gewesen wäre, gehört heute zur Normalität. Viele Unternehmen – auch der Versicherungsbranche – bieten Arbeitsplätze an, die dem gesellschaftlichen Work-Life-Balance-Trend folgen. Für die Personalpolitik bedeutet das eine Anpassung an den Wunsch der Mitarbeiter, das Verhältnis Beruf/Privatleben ausgewogener zu gestalten. Der einzelne Mitarbeiter zählt in der neuen Arbeitswelt nicht nur als Arbeitnehmer, sondern als Person, deren Verantwortung für Familie respektiert wird.
Wolfgang Brezina, Personalvorstand der Allianz Deutschland, beobachtet die Veränderungen in der Arbeitswelt seit einiger Zeit: Seiner Meinung nach lasse sich die sogenannte Einsteigergeneration von heute kaum noch mit der von damals vergleichen. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre, dominierte eine Art von Yuppie-Kultur. Es schien wichtig zu sein, möglichst lange im Büro zu sein, Arbeitstage bis 22.00 Uhr waren keine Seltenheit. Wer heute neu einsteige, lege deutlich mehr Wert auf Balance. „Die Arbeitgeber stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, diese Haltung zu unterstützen“, sagt Brezina.

Gute Arbeitbedingungen werden mit guter Leistung belohnt

Bei der R+V jedenfalls stehe das Thema auf der Agenda ganz vorne, bestätigt Julia Merkel. Schließlich fördert Work-Life-Balance die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Die Personalvorständin des Wiesbadener Versicherers erhält positive Resonanz – sowohl in der Belegschaft als auch bei den Bewerbern. Im Rahmen seiner personalstrategischen Ausrichtung bietet das Unternehmen ein breites Angebot an Sozialleistungen und Rahmenbedingungen: Von flexiblen Arbeitszeitmodellen über Home-Office-Regelungen bis zu Sabbaticals oder Lebensarbeitszeitkonten. Hinzu kommen Eltern-Kind-Büros und Kinderbetreuungsangebote.
Auch die Stuttgarter Versicherungsgruppe hält das für den richtigen Weg. So passt es ins Bild, dass Vorstandschef Frank Karsten in seinem Unternehmen ein ganzes Paket an entsprechenden Maßnahmen anbietet. Im Rahmen des Projektes „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ kann etwa das bundesweite Angebot eines externen Anbieters für die Bereiche Kinderbetreuung und Pflege genutzt werden. Zudem eröffnete der Versicherer 2014 ein Eltern-Kind-Büro. Damit ist es zum Beispiel möglich, Kinder im Alter von einem Monat bis zu 14 Jahren mit an den Arbeitsplatz zu bringen, wenn kurzfristig und unerwartet die reguläre Betreuung ausfällt. Das Büro ist mit drei PC-Arbeitsplätzen ausgestattet. Für…