Erschienen in Ausgabe 6-2017Märkte & Vertrieb

Voll digitalisiert

Deutsche Familienversicherung wächst aus ihren Kinderschuhen heraus

Von Maximilian VolzVersicherungswirtschaft

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Stefan M. Knoll – mit diesem Namen muss die Geschichte der Deutschen Familienversicherung (DFV) beginnen. Das Unternehmen ist wie ihr Vorstandsvorsitzender – schnell, direkt und zielstrebig. Der Frankfurter Versicherer feierte in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen, ist voll digitalisiert und erzielt die Hälfte seines Neugeschäfts mittels Onlinevertrieb.
Die Idee des heutigen Modells nahm Anfang der 1990er Jahre ihren Lauf – einer Zeit, in der schnelles Internet für jedermann noch ein Hirngespinst war und die Handys die Größe von Backsteinen hatten. 1994 gründeten Knoll, ein ehemaliger Allianz-Mann, und sein Geschäftspartner Philipp Jean Noé Vogel das Versicherungs-Call-Center Diatel Direkt. Damit nahmen sie schon damals das Geschäftsmodell der DFV vorweg: Direkte, schnelle und technikbasierte Direktkommunikation mit dem Kunden. Nach dem Verkauf des Unternehmens glaubten Vogel und Knoll alles Wichtige für die Gründung eines Versicherers zusammen zu haben, Know-how über die Kommunikationsbedürfnisse der Branche und Kunden, Technikverständnis und die nötigen Silberlinge. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Geschichte rasant an Fahrt aufzunehmen.

Improvisation in der Anfangszeit

Weder gutgemeinte Warnungen noch das Haften mit dem Privatvermögen oder Zulassungsanträge in Ordnerstärke haben die Freunde von ihrer Business-Idee abgehalten: Die DFV musste kommen, und sie kam. Im Dezember 2006 erhielt der Versicherer die Zulassung von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Antragsprüfung hatte nach einem intensiven Austausch und Begleitprozess ganze 16 Tage gedauert.
Diese Geschwindigkeit und Hartnäckigkeit behielten die beiden Gründer auch bei der Umsetzung der hochgesteckten IT-Pläne bei. In den ersten Jahren des Unternehmens setzte die DFV auf ein System der Helvetia, die technischer Partner und später auch zeitweise Teilhaber wurde. Das System konnte mit den Wünschen Knolls, der sich ganz der technischen Entwicklung verschrieben hatte, nicht immer mithalten. Einmal fehlte dem System die Option für die Implementierung einer Rechtschutzversicherung, dann die Möglichkeit, die ab 2008 angebotenen KV-Zusatzversicherungen zu integrieren. Es musste viel improvisiert und getrickst werden. Doch es half alles nichts: Ein neues System musste her. Die Entscheidung fiel auf eine Eigenentwicklung, die unter dem Projektnamen „Adelheit (es ist soweit)“ firmierte und nach mehrmals erhöhten Budgets, wechselnden Projektleitungen und Fehlentwicklungen zum…