Erschienen in Ausgabe 6-2017Märkte & Vertrieb

Europäischer Cooper-Test

EU will Gesundheitssysteme durch Effizienzgewinne belastbarer machen

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Der EU sind in der Gesundheitspolitik die Hände gebunden. Es sind die Mitgliedstaaten, die wie einen Augapfel ihre nationalen Kompetenzen in der Sozial- und Gesundheitspolitik verteidigen. Der EU-Kommission kommt nach den europäischen Verträgen lediglich die Rolle der Aufklärung und Vorsorge in der EU-Gesundheitspolitik zu. Brüssel hat Ende April einen neuen Anlauf unternommen, mit einem Reflexionspapier über die „soziale Dimension Europas bis 2025“, die Weichen für eine koordinierte Politik im Bereich Soziales und Gesundheit neu zu stellen. So sollen die Regeln über Sozialversicherungsrechte mobiler Bürger, die Inanspruchnahme von grenzüberschreitenden Gesundheitsdienstleistungen und EU-Mindestnormen zum Beispiel für die Sicherheit und Gesundheit von Arbeitnehmern sowie Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub auf EU-Ebene justiert werden.
„Unsere Gesundheitssysteme müssen effektiver werden“, fordert EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. 550.000 Menschen im arbeitsfähigen Alter sterben jedes Jahr an potenziell vermeidbaren Krankheiten, beklagt der promovierte Chirurg und vormalige Gesundheitsminister in Estland. 16 Prozent der Erwachsenen in der EU seien heutzutage fettleibig (2000: 11%). Ein Fünftel der EU-Bürger raucht und läuft Gefahr, chronisch zu erkranken, beziehungsweise an Krebs zu sterben. Viele Menschenleben könnten gerettet werden, so Andriukaitis, wenn einerseits mehr Ressourcen in Strategien zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention investiert würden und anderseits die Qualität der Versorgung bei akuten oder chronischen Beschwerden EU-weit verbessert würde.

Digitale Apps lösen Arztbesuch ab

„Wir müssen noch mehr unternehmen, um die Ungleichheiten beim Zugang und bei der Qualität der Versorgung zu verringern. Außerdem müssen die Ressourcen in den europäischen Gesundheitssystemen effizienter dorthin gelenkt werden, wo sie am meisten für die Gesundheit bewirken“, beschreibt Ángel Gurría, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Effizienzdefizite in der EU. „Unsere Gesundheitssysteme müssen einfacher zugänglich werden.“ Die jüngsten OECD-Statistiken decken eklatante Mängel in Organisation, Management und Leistungsfähigkeit der nationalen öffentlichen Gesundheitsversorgung auf. 27 Prozent der EU-Bürger sehen sich gezwungen, eine Notaufnahme in Krankenhäusern aufzusuchen, weil nicht genügend Einrichtungen zur medizinischen Grundversorgung verfügbar sind. Durchschnittlich 15 Prozent…