Erschienen in Ausgabe 6-2017Köpfe & Positionen

Rechtliche Fallstricke.

Management & Wissen: „­Rechtsschützer suchen das Gleichgewicht“,

Von Caroline BenzelVersicherungswirtschaft

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Vertragsstreitigkeiten, Probleme am Arbeitsplatz oder mit den Nachbarn: Rechtliche Fallstricke drohen in allen Lebenslangen. Immerhin 43 Prozent der deutschen Haushalte haben sich gegen diese Fallstricke mit einer Police geschützt. Rechtsschutzversicherungen sorgen dafür, dass Kunden ihr Recht auch durchsetzen können, ohne aufgrund hoher Anwaltskosten auf dieses Recht verzichten zu müssen.
Billig ist Rechtsschutz indes nicht. Eine Familie mit Kindern zahlt für eine Rechtsschutzversicherung mit den abgesicherten Bereichen Privat, Beruf, Verkehr und Wohnen zwischen 280 und 500 Euro im Jahr – je nachdem für welchen Versicherer und welche Leistungen sich die Familie entscheidet. Und das Rundum-Sorglos-Paket bekommt die Familie dafür dann trotzdem nicht – Selbstbeteiligungen ab 150 Euro aufwärts sind normal.
Die Preisgestaltung ist nur einer der Gründe, warum Rechtsschutzversicherer künftig eher weniger als mehr Haushalte versichern dürften. Denn dank des digitalen Wandels auf dem Markt der Rechtsberatung werden die Leistungen und Preise von Anwälten vergleichbar und damit günstiger.
Legaltech-Start-up bietet Produkte wie „Mietminderung prüfen“, „Wohnraummietvertrag prüfen“ oder „Kündigung prüfen“ zum Festpreis an und liefern damit einen klar beschriebenen Service, der schnell verfügbar und leicht zugänglich ist. Der Kontakt zum Anwalt erfolgt per E-Mail oder telefonisch, Unterlagen werden digital versandt. Das spart für den Mandanten Zeit und Geld und hebt das Prinzip auf, sich einen Anwalt in der Nähe suchen zu müssen.
Durch digitalisierte Anwaltsdienstleistungen können Kunden den Anwalt bekommen, den sie für ihre außergerichtlichen Probleme brauchen, ohne an einen bestimmten Standort gebunden zu sein. Die Anwälte profitieren, da sie auf einen bundesweiten Kundenstamm Zugriff bekommen, und sie sich nicht mehr selbst um die Akquise kümmern müssen. Zwar bieten auch Rechtsschutzversicherungen Anwaltshotlines und Dokumenten-Services an, doch sind diese Leistungen Zusatzangebote und nicht Kerngeschäft. Sobald es zu einer Deckungszusage für einen Rechtsschutzfall kommt, sollen die Kunden doch wieder einen Anwalt in der Nähe aufsuchen, und ihren Fall persönlich schildern.
Gerade jüngere Kunden, die es gewohnt sind, ihre persönlichen und beruflichen Angelegenheiten online zu erledigen, werden sich damit nicht mehr lange zufriedengeben. Dasselbe gilt für Selbstständige, Gewerbetreibende und Firmen, für die ebenfalls spezielle Rechtsschutzversicherungen am Markt sind…