Erschienen in Ausgabe 6-2017Köpfe & Positionen

Zur Debatte: Changekurven

„Personalabbau gehört zu den schwierigsten, da emotionalsten Führungsaufgaben überhaupt“

Von Gabriele ZimmermannVersicherungswirtschaft

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Zur Debatte: Changekurven

„Personalabbau gehört zu den schwierigsten, da emotionalsten Führungsaufgaben überhaupt“

Die Versicherungsbranche befindet sich seit Jahren im Umbruch. Dazu gehören Personalabbau ebenso wie die Wandlung hin zu einem agileren Unternehmen und die Einführung neuer Technologien. Diese Entwicklungen bringen für die Führungskräfte und Mitarbeiter der Versicherungsunternehmen erhebliche Veränderungen mit sich. Die Gesetze von Veränderungen besagen aber, dass jede einen Widerstand erzeugt und Widerstände nicht einfach verschwinden. Das Management der Versicherungsunternehmen muss sich deshalb neben den herausfordernden Aufgaben auf der „Sachebene“ Zeit nehmen, die Menschen mitzunehmen.

Managern fällt der Umgang mit Emotionen schwer

Hier geht es um die emotionale Ansprache der Mitarbeiter, um die psychologische Ebene. Genau das fällt aber vielen Führungskräften, insbesondere den faktenbezogenen Versicherungsmanagern, schwer.
Konkret stehen die Führungskräfte der Versicherungsbranche also vor zwei großen Aufgabenfeldern. Zunächst haben sie die Aufgabe, die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter während der Personalabbauphase, einer Phase von hoher Unsicherheit, aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus müssen sie die verbleibenden Mitarbeiter mitnehmen auf den Weg hin zu einem digitaleren, agileren Unternehmen. Wie kann das gelingen?
Der Abbau von Personal gehört zu den schwierigsten, da emotionalsten Führungsaufgaben überhaupt. Jeder kennt die Changekurve und den damit einhergehenden Leistungseinbruch. Um diesen Leistungseinbruch zu begrenzen, ist es wichtig, dass der Zeitraum zwischen der Verkündung des Personalabbaus und der konkreten Umsetzung so kurz wie möglich gehalten wird. In der Realität sieht es aber vielerorts so aus, dass der Vorstand zugunsten der Shareholder den Abbau von Personal verkündet und es Monate dauert bis feststeht, wer gehen soll. Oftmals wird auch verpasst, denjenigen, die bleiben sollen, frühzeitig ein entsprechendes Signal zu geben. Diese nutzen dann die weit verbreiteten „Sprinterprämien“, was das Unternehmen weiter schwächt. Ein weiterer Erfolgsfaktor beim Personalabbau ist, dass sich die direkten Führungskräfte Zeit nehmen für ihre Mitarbeiter und diese durch das „Tal der Tränen“ begleiten. Die dabei entstehende zeitliche Belastung steht jedoch im Konflikt mit der benötigten Zeit, um Organisation agiler zu machen, d.h. die Mitarbeiter mit den neuen Technologien und effizienteren Prozessen vertraut zu…