Erschienen in Ausgabe 6-2017Märkte & Vertrieb

Auf Erfolg getrimmt

Chinas Regierung strebt nach Wachstum in der PKV und führt trotz holpriger Testphase private Krankenzusatzpolice ein

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Über ein Jahr dauerte die Testphase in 31 Städten. Nun hat die chinesische Regierung beschlossen, landesweit zum 1. Juli eine steuerbegünstigte private Krankenzusatzversicherung einzuführen. Die Police soll medizinische Leistungen abdecken, die die gesetzliche Versicherung nicht übernimmt. Der Versicherungsnehmer soll dadurch sein zu versteuerndes Jahreseinkommen um bis zu umgerechnet 319 Euro reduzieren können. Dabei sind keine Wartezeiten und kein Risikozuschlag vorgesehen. Ein neuer Versicherter mit Vorerkrankungen kann jährlich jedoch lediglich Behandlungskosten in einer Höhe von bis zu umgerechnet 5.300 Euro erstattet bekommen. Ein gesunder Versicherter hat Anspruch auf bis zu 26.500 Euro im Jahr.
Bemerkenswert ist, dass in der Testphase nur ca. 67.000 Personen die Versicherung abschlossen. Kritische Marktbeobachter schätzen die Erfolgschancen als mäßig ein, weil beispielsweise ein Durchschnitts-Arbeitnehmer mit einem Gehalt von 660 Euro monatlich im Jahr nur 9,50 Euro an Steuern einsparen kann. Allerdings sind die Versicherungsunternehmen mit Ausblick auf die zukünftige Marktentwicklung sehr zuversichtlich. Gerade diese Zusatzversicherung soll das Wachstum der regulären Privatkrankenversicherung fördern, glauben Optimisten.
Nach einer viel zitierten Studie von Boston Consulting und Münchener Rück, die im letzten August in Peking veröffentlicht wurde, sind bis 2020 ca. 40 Millionen dreiköpfige Haushalte bereit, umgerechnet 4.000 bis 8.000 Euro auszugeben, um Privatkrankenversicherungen abzuschließen. Die Zahl von privaten Kliniken in China ist bereits von 3.000 im Jahr 2005 auf ca. 12.500 im Jahr 2016 gestiegen.

Zweifel an Anbangs Kapitalstärke wächst

Der Versicherer mit Hauptsitz in Peking sorgte in den letzten Jahren wegen seiner ambitionierten Akquisitionen im Ausland für großes Aufsehen. In Deutschland zeigt der Versicherer nun auch Interesse an der kriselnden HSH Nordbank, ebenso wie der chinesische Mischkonzern HNA. Auf dem Boao Forum Asia, einer jährlich abgehaltenen Wirtschaftskonferenz auf der Hainan-Insel, hat Anbang-CEO Wu Xiahoui, neulich bekundet, dass sein Unternehmen die Übernahmen konsequent durch Cashflow bewerkstelligt habe, und zwar ausnahmslos mit Gewinn, so das Finanznachricht-Netzwerk Chinese Security. Wu zufolge tätige Anbang keine Finanzinvestition, deren Rendite unter der Marge von zehn Prozent bleibe. Um jeglichen Zweifel zu zerstreuen, betonte er, dass Anbang bei Akquisitionen äußerst umsichtig vorgehe. Zur Unterstreichung…