Erschienen in Ausgabe 6-2017Märkte & Vertrieb

Wanderzirkus der Institutionen

Mainmetropole Frankfurt rechnet sich nach dem Brexit realistische Chancen aus, zur neuen Finanzhauptstadt Europas zu werden

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Die Eiopa ist bereits im Frankfurter Westhafen Tower angesiedelt. Nun soll auch die bisher in London angesiedelte Europäische Bankenaufsicht (EBA) in die Mainmetropole umziehen. So wünscht es sich jedenfalls die Bundesregierung und das Sitzland Hessen. Aber die Konkurrenz ist groß, denn auch Amsterdam, Dublin, Kopenhagen, Paris, Stockholm, Warschau und Wien bewerben sich um die Finanzaufsichtsbehörde. Zudem hat Deutschland angekündigt, eine offizielle Bewerbung für die ebenfalls bisher in London angesiedelte Europäische Arzneimittelagentur (EMA) vorlegen zu wollen.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte kürzlich in einem Argumentationspapier für die Bundesregierung für eine Bewerbung um die EBA geworben. Frankfurt habe demnach durch die Kombination von Banken sowie nationalen und europäischen Finanzinstitutionen einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Paris oder Dublin. Außerdem gebe es in Frankfurt einen großen Pool von Bankexperten und inte­ressante Immobilien. „Für eine sofortige Ansiedlung in Frankfurt stehen mehrere interessante Immobilien in zentraler Lage zur Verfügung“, heißt es im Argumentationspapier aus dem Bundesfinanzministerium. Als weiteren Trumpf führt Berlin an, dass der Finanzplatz über geeignetes Fachpersonal für den Aufbau der EU-Bankenagentur am Main verfüge.

Pendlerkosten in der Kritik

Frankfurt habe vor allem deshalb gute Chancen für einen Zuschlag, weil die europäische Banken- und Versicherungslandschaft zunehmend zusammenwachse. Dass Deutschland ebenso auch den Zuschlag für die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die über die zentrale Zulassung von Arzneimitteln, Therapeutika und Medizinprodukte entscheidet, bekommen könne, ist allerdings höchst unwahrscheinlich. Für die EMA stehen stattdessen die Chancen für die Seine-Metropole Paris beziehungsweise die Europastadt Straßburg gut. Mit der Wahl des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron besteht in Berlin die Hoffnung, dass zwischen den deutsch-französischen Partnern ein entsprechender Deal auf EU-Ebene eingefädelt werden kann. Die Entscheidung ist den 27 EU-Staats- und Regierungschefs vorbehalten, wobei Einstimmigkeit erforderlich ist. Paris beherbergt bereits die dritte Säule der europäischen Finanzaufsichtstruktur, nämlich die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde European Securities and Markets Authority (ESMA). Mit der Neuverteilung von EBA und EMA könnte auch die Frage des derzeit geteilten Sitzes des Europäischen Parlaments (EP) zwischen…