Erschienen in Ausgabe 6-2017Trends & Innovationen

Hohe Benchmark erfordert teure Maßnahmen

Mit der einheitlichen Bilanzierung IFRS 17 rüsten sich Versicherer für das nächste Mammutprojekt à la Solvency II

Von David GorrVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Das International Accounting Standards Board (IASB) veröffentlichte Mitte Mai den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 17 und löste damit den seit 2005 geltenden Interimsstandard IFRS 4 ab. Damit soll eine weltweit einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen geschaffen werden, die Investoren adäquater als zuvor über Renditen und Risiken informiert. Allerdings sind sie nur für die Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Versicherer verpflichtend. Für alle übrigen Abschlüsse sind unverändert die Vorgaben des Handelsgesetzbuchs anzuwenden, betont der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Laut Fitch werde diese Offenlegung keine Auswirkungen auf das Rating der Versicherer haben. Mit der zum 1. Januar 2021 in Kraft tretenden Regelung müssen die etwa 450 weltweit betroffenen Versicherer nun erstmals auch ihre Gewinnmargen veröffentlichen. Basis dafür ist nach Angaben des GDV das prospektive und auf diskontierten, risikoangepassten Zahlungsströmen basierende Bilanzierungsmodell. Dabei geht der Branchenverband davon aus, dass sich die Änderungen für Verträge in der Schaden- und Unfallsparte eher im Rahmen halten. Für die Bilanzierung von Lebensversicherungsverträgen dürften die neuen Vorgaben laut GDV jedoch signifikante Änderungen mit sich bringen.

Rechtfertigt der Ertrag den Aufwand?

Wie stark einzelne Versicherer von der Regelung betroffen sind, hängt davon ab, welche Bilanzierungsmethode sie bislang anwenden.„Das ist unterschiedlich von Land zu Land und manchmal sogar innerhalb eines Landes”, erklärt Joachim Kölschbach, IFRS-Experte bei KPMG. „Da ähnlich wie unter Solvency II die Rückstellungen mit aktuellem Zins abgezinst werden, ist zu erwarten, dass die Volatilität in den Ergebnissen und Eigenkapitalien steigt. Dadurch steigt der ohnehin schon durch Solvency II entstandene Druck, Produkte und Kapitalanlageentscheidungen zu hinterfragen.“ Es ist kein Geheimnis, dass IFRS 17 unter Versicherern nicht auf Gegenliebe stößt. Einige vergleichen das Mammutprojekt bereits mit Solvency II. Der Umstellungsaufwand sei sogar höher als bei Solvency II, glaubt Deloitte-Partner Matthias Zeitler. In der Tat müssen nicht nur das Rechnungswesen und das Aktuariat, sondern auch viele andere Bereiche wie Daten, Systeme und Prozesse angepasst werden.
Die Rechnungslegung bildet die wirtschaftliche Lage von Versicherern ab. Ob HGB, IFRS, US-GAAP oder andere Bilanzierungssysteme – die Realität der Firmen und Märkte ändert sich durch…