Erschienen in Ausgabe 6-2017Märkte & Vertrieb

Schockstarre vor den Neuwahlen

Islamistischer Terror versetzt Großbritannien innenpolitischen Tiefschlag – der EU-Austritt macht das Land nicht sicherer

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Der Anschlag nach dem Konzert der Popsängerin Ariana Grande erschüttert Großbritannien in einem Moment, in dem die Bevölkerung ohnehin das Vertrauen in Politik und Sicherheit verloren hat. Bereits vor zwei Monaten überfuhr Khalid Masood zahlreiche Fußgänger auf der Westminister Bridge in London und erstach vor dem Parlament einen Polizisten. Beide sind keine vom Ausland eingeschleusten Täter, sondern Menschen, die in meist ärmeren Städten des Landes aufwachsen und sich vom Dschihadismus inspirieren lassen. Wird nun Großbritannien sicherer, wie es die Brexit-Befürworter immer behauptet, wenn das Land die EU verlässt? Der Wahlkampf für die am 8. Juni angesetzten Neuwahlen wurde unterbrochen. Erstmals seit zehn Jahren gilt die höchste Terrorwarnstufe. In Umfragen liegt Premierministerin Theresa May nach wie vor deutlich vorne. Der Brexit sollte den Wahlkampf bestimmen, nun rückt der Kampf gegen den Terror in den Vordergrund.
In Großbritannien ist für die Entschädigung von Terror-Opfern die Criminal Injuries Compensation Authority zuständig. Die Entschädigung bemisst sich im Stil einer Unfallversicherung nach einer bis 250.000 Pfund gehenden Gliedertaxe. In jedem Fall gilt eine 500.000 Pfund hohe Deckelung je Opfer.
Derweil könnte Brüssels Schlussrechnung für Großbritannien zu Verpflichtungen nach über 40 Jahren EU-Mitgliedschaft bis zu 100 Mrd. Euro betragen. Dazu zählen Haushaltsverpflichtungen, Zusagen gegenüber EU-Institutionen sowie Pensionskosten für Beamte und etliches mehr. Sollte sich London querstellen, wäre die fortgesetzte Anerkennung der regulatorischen Äquivalenz durch Rest-EU-Finanzaufsichtsbehörden in Gefahr. Ohne diese Äquivalenz werden kontinentale Versicherer Zessionen ins Vereinigte Königreich wohl nur noch dann als solvabilitätsrelevanten Eigenkapitalersatz anerkannt bekommen, wenn ihr Vertragspartner Sicherheiten stellt, möglicherweise nicht nur für die zedierten technischen Verbindlichkeiten, sondern auch noch für mögliche künftige Schäden. Letzteres ist zwar bei Risikoverbriefungen bereits der Fall, bedeutet aber einen wenig sparsamen Umgang mit Eigenkapital, welches jeweils durch eine einzige Transaktion blockiert wird.

Vermögen von Nordkorea-Versicherer eingefroren

Selbst ein stalinistisch-autoritäres System kommt nicht um den Londoner Versicherungsmarkt herum. Die Korea National Insurance Corporation (Knic) aus Pjöngjang unterhielt seit 1996 in London eine Repräsentanz. Im Zuge der weiteren Straffung der EU-Sanktionen gegen…