Erschienen in Ausgabe 6-2017Märkte & Vertrieb

„Rückversicherer brauchen freien Zugang zu den Märkten“

Ulrich Wallin, Vorstandschef der Hannover Rück, über Cross-Border-Trading und weltweiten Risikoausgleich

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Die Hannover Rück hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Worin bestehen aktuell die Wettbewerbsvorteile im Vergleich zum Markt?

Ulrich Wallin: In den letzten Jahren hatten wir insgesamt recht gute Ergebnisse. Diese wurden genutzt, um das Konfidenzniveau bei den Schadenreserven weiter aufzubauen. Das hilft, die Ergebnisse in schwierigen Marktlagen zu stabilisieren. Außerdem weisen wir geringere Verwaltungskosten auf als der Markt. Darüber hinaus ist es in Zeiten weicher Märkte in der Schaden-Rückversicherung besonders wichtig, gutes Geschäft zu zeichnen. Fehler in der Zeichnung von Geschäft zu vermeiden, ist aber ebenso wichtig. Wir konzentrieren uns in Marktlagen wie diesen im Wesentlichen auf unser Erneuerungsgeschäft. Das kennen wir am besten, und dies ist letztendlich unsere Basis.

In welchen Bereichen wurde 2016 gepunktet?

Wenn wir auf die Schaden-Rückversicherung blicken, hat im vergangenen Jahr das Naturkatastrophengeschäft besonders gut abgeschnitten. Das liegt daran, dass wir im Vergleich zum Schadenerwartungswert geringere Schäden zu verzeichnen hatten. Gut gelaufen ist auch das USA-Geschäft mit einer kombinierten Schaden-Kostenquote in der Größenordnung von 90 Prozent. Es kommt uns zugute, dass wir dort mehr als 600  Kunden haben. Insbesondere im Bereich der gewerblichen und der Industrierisiken konnten die Erstversicherer – unsere Kunden – in den letzten vier Jahren Ratenerhöhungen durchsetzen. Zufrieden sind wir auch mit den Sparten Luftfahrt und Transport, was angesichts der niedrigen Ratensituation zunächst gar nicht zu vermuten ist. Wir hatten hier Abwicklungsgewinne aus zurückliegenden Schadenfällen zu verbuchen. Zudem gab es im Luftfahrtbereich keine wesentlichen Schäden. Auch der deutsche Markt brachte uns sehr zufriedenstellende Ergebnisse.

...und die Schwierigkeiten?

Weniger gut gelaufen ist es in der Kredit- und Kautionsversicherung. Hier gab es vor allem in Schwellenländern einen vermehrten Schadenanfall. Bei den landwirtschaftlichen Risiken sind es die Märkte in Polen und China, mit deren Entwicklung wir nicht zufrieden sind. Wie immer gibt es Licht und Schatten. Für uns ist es sehr wichtig, breit aufgestellt zu sein und ein diversifiziertes Portefeuille vorzuhalten.

Welches waren die drei größten Schadenfälle 2016? Wie schmerzhaft waren die daraus resultierenden Belastungen für den Konzern?

Der größte Naturkatastrophenschaden 2016 betraf Kanada mit den verheerenden Waldbränden…