Erschienen in Ausgabe 5-2017Trends & Innovationen

Versicherer leiden unter Provisionsbetrug

Die Wirtschaftskriminalität im Insurance-Sektor steigt

Versicherungswirtschaft

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Versicherer in Deutschland sind weit überdurchschnittlich von Wirtschaftskriminalität betroffen. Das zeigt eine Studie von PwC und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Während im Durchschnitt aller Branchen 51 Prozent der befragten Unternehmen Opfer von Kriminaldelikten waren, sind es bei den Versicherern 70 Prozent. Der Anstieg beruht vor allem auf Betrugskriminalität. Davon waren 2016 fast zwei Drittel der Versicherer betroffen, 2013 lediglich 36 Prozent. Der Durchschnittswert aller Branchen betrug 37 Prozent. Ebenfalls wesentlich häufiger wurden Versicherer durch externe Wirtschaftsstraftäter geschädigt. Drei Viertel davon waren Geschäftspartner und Dienstleister – mehr als doppelt so viele wie im branchenübergreifenden Schnitt. Zu einem großen Teil handelt es sich um Provisionsbetrug durch Versicherungsvermittler. Beunruhigend sei außerdem, dass die betroffenen Versicherer 13 Prozent der externen Täter der organisierten Kriminalität zurechnen mussten. Auch Cyber-Kriminalität ist auf dem Vormarsch. Ein Drittel der befragten Unternehmen berichtete über mindestens einen Fall von Cybercrime und 39 Prozent über Verdachtsfälle. „Angesichts der Digitalisierung dürften diese Zahlen künftig steigen“, erklärt Kai Bussmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Täter manipulieren vor allem Konto- und Finanzdaten und entwenden vertrauliche Kunden- und Unternehmensdaten. Es gibt auch positive Trends: 87 Prozent der Versicherer verfügen über Compliance-Programme, der Branchendurchschnitt liegt bei 76 Prozent. Diese sind darauf ausgerichtet, Datenschutzverletzungen (97%), Korruption (82%) und Geldwäsche (79%) zu verhindern.vw