Erschienen in Ausgabe 5-2017Köpfe & Positionen

Magische Anziehung

Zu Titelreport: „Geballte Fäuste für ein Halleluja“,

Von Frank RomeikeVersicherungswirtschaft

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Seit Jahrzehnten übt die Wunderwelt von Mergers & Acquisitions (M&A) eine fast magische Anziehungskraft aus. Parallel ist die Zahl der letztendlich gescheiterten Übernahmen ernüchternd hoch. Mehr als die Hälfte aller abgeschlossenen M&A-Deals erfüllt weder die strategischen Ziele noch tragen diese zur Wertsteigerung bei. Eigentlich nicht verwunderlich, da viele M&A-Deals – getrieben durch Alphatierchen-Gehabe, einen zu hohen Risikoappetit, kognitive Verzerrungen und testosterongeschwängerten Eroberungsdrang – von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Zumal diese weder Aktionären, Investoren oder Mitarbeitern einen Mehrwert liefern. Hinzu kommt, dass kulturelle Unterschiede, die Kundeninteressen und weitere weiche Faktoren ausgeblendet werden und die puren Zahlen oder Machtinteressen im Vordergrund stehen.
Eine scharfe Trennung zwischen Können und Glück sowie Selbstüberschätzung ist bei den meisten Transaktionen nicht möglich. Die jüngste Finanz- und Währungskrise hat uns mehrfach den Beweis geliefert, dass Menschen kein natürliches Gefühl für Risiken haben – und daher diese lieber gleich komplett ausblenden. Entscheider schaffen sich eine Welt, in der sie sich gut zurechtfinden. Aber die Wirklichkeit ist anders: chaotisch, überraschend, unberechenbar. Man kann es auch anders formulieren: Ein deterministisches System der Ordnung und der Planung steht einem stochastischen oder zufallsbestimmten System der Unregelmäßigkeit und Unvorhersehbarkeit auf der anderen Seite gegenüber. Und im zweiten System liegen vielfach die Gründe für das Scheitern von Unternehmensübernahmen.
Wer könnte diese selbstzerstörende und sinnlose Zielverfolgung vieler Unternehmen stoppen? Rechtzeitig eingebunden könnte ein Risikomanager der Deal-Killer sein – unterstützt durch einen starken und kompetenten Aufsichtsrat im Rücken. Mit einer fundiert ausgestatteten Werkzeugkiste könnte er M&A-Deals durchleuchten und in der Pre-Merger-Phase seine Finger in die Wunde legen. Doch neben fachlichen Kompetenzen (etwa im Bereich der stochastischen Modellierung oder der Analyse von makroökonomischen oder geopolitischen Szenarien) sollten Risikomanager vor allem ausgeprägte soziale und kommunikative Fähigkeiten mitbringen. Und noch wichtiger: Ein „dickes Fell“ ist vorteilhaft, da der Risikomanager auf die kritischen Stressszenarien in stürmischen Zeiten hinweist, während der Vorstand und seine M&A-Berater nur Sonnenscheintage kennen. Denn das Risikomanagement muss sich…