Erschienen in Ausgabe 5-2017Unternehmen & Management

Rechtsschützer suchen das Gleichgewicht

Lawtechs mischen den Markt auf, etablierte Anbieter reagieren mit massiven Investitionen in Assistance und IT

Von Andreas HeinsenVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Makler kämpfen gegen sie, Versicherer kooperieren mit ihnen. Insurtechs erobern die Versicherungsindustrie. Auch die Rechtsschutzbranche muss sich mit Law-, Jur- und Legaltechs sowie der gerade gestarteten Digital Justice auseinandersetzen. Dieser technologische Quantensprung wird das Geschäftsmodell der Rechtsschutzversicherer, und ebenso gravierend, der deutschen Anwaltschaft sehr stark verändern. Es geht um den Wegfall von teuren anwaltlichen Rechtsdienstleistungen und dem schnellen Zugang zu rechtlichen Lösungen durch digitale JurRobots, kostenlose Beratungsangebote am Telefon oder per Chat, Festpreishonoraren für Massengeschäftsvorfälle der Privat- und auch Gewerbekunden, als auch für Rechtsabteilungen von Industrie- und Großgewerbeunternehmen. Vor allem geht es aber auch um digitale Kanzleimodelle, deren Grenzen nicht mehr der Amts- und Landgerichtsbezirk sind und die ihre Mandanten über das Internet erfolgreich akquirieren. Anwaltssuchmaschinen, Rechtsdienstleistungspauschalangebote, Ausschreibungsplattformen für Spezialistenmandate und Bewertungsportale für Rechtsanwälte und Kanzleien werden bald Standard sein. Hiermit wird explizit für hunderttausende Rechtsfälle des täglichen Lebens auch die Rechtsschutzversicherung im Ergebnis für obsolet erklärt.

Verlustreiche Sparte unter Beschuss

Die Rechtsschutzbranche blickt insgesamt auf für sie zufriedenstellende fünf Jahre zurück, in denen die Beitragseinnahmen von 3,3 auf 3,8 Mrd. Euro (+15%) 2016 angestiegen sind. Auch 2017 sollen die Beiträge steigen. Dies ist aber zu einem überwiegenden Teil den mehrfachen Beitragsangleichungen nach der Kostenrechtsreform aus 2013 geschuldet, die für Anwälte und Gerichte ein Volumen von ebenfalls einem Plus von 15 Prozent hatte und nunmehr über die GDV-Treuhänderfeststellungen(BAK) in den Bestandsbeiträgen der Unternehmen angekommen sind. Trotz dieser Beitragszuflüsse aus den Beitragserhöhungen im Bestand wird aufgrund des weiterhin schlechten Schadenverlaufs und der Kumulschäden Darlehens-Widerruf-Joker und VW-Abgasskandal auch im dritten Jahr die Combined Ratio voraussichtlich nicht unter 100 Prozent sinken können. Massive und teilweise sehr rabiate Sanierungsbemühungen sowie deutliche Preissteigerungen sind im Markt zu beobachten, auf die die Presse und Verbraucherschützer teilweise sehr negativ reagieren. Zuletzt die Stiftung Warentest im Januar 2017, indem test.de den Versicherern vorwarf, ihre Kunden mit Vertragskündigungsandrohungen von Klagen zum…