Erschienen in Ausgabe 5-2017Märkte & Vertrieb

Vom Preisbrecher zum Gipfelstürmer

Die chinesische Wirtschaft will nicht mehr nur die Werkbank des Westens sein

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang strebt für 2017 ein Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent an. Das hat in der westlichen Presse für gemischte Gefühle gesorgt. Auch weil man negative Auswirkungen für die Weltwirtschaft fürchtet. Außerdem zweifeln einige sehr stark an der Verlässlichkeit einer solchen Ankündigung.
Im Zuge des angestrebten Wandels von der Werkbank der Welt zum international größten Konsumentenmarkt, so die Vision chinesischer Wirtschaftsplaner, steigen die Ausgaben der Bevölkerung für Konsumgüter kontinuierlich an. Noch 2006 machten die chinesischen Konsumausgaben lediglich 6,6 Prozent des Weltkonsums aus. 2015 sind diese bereits auf 15 Prozent gestiegen, so der Wert, der vom Zentrum für Forschung der Entwicklung der chinesischen Regierung präsentiert wurde. In den ersten drei Quartalen von 2016 steigerte sich der Import von Konsumgütern auf 93 Mrd. Euro gegenüber 56 Mrd. US-Dollar von 2010 über das ganze Jahr.
Der Wandel ist voll im Gange. Womöglich öffnen sich hier Chancen für Versicherer aus dem Westen. Mit steigendem Wohlstand entdecken die Menschen auch mehr und völlig neue Risiken. Beispielsweise weiß man inzwischen teure Elektrogeräte und wertvoll ausgestattete Wohnungen mit maßgeschneiderten Versicherungslösungen abzusichern, wovon zehn Jahre zuvor noch überhaupt keine Rede war. Dass es Chancen gibt, ist die eine Seite. Ob Chancen wahrgenommen werden, eine andere. Tatsächlich sind Versicherungsunternehmen auf dem chinesischen Markt derzeit unterpräsentiert. Was den Marktanteil anbelangt, zeigt sich in den letzten zehn Jahren eher eine schleppende, teilweise sogar eine rückläufige Tendenz. Der Marktanteil von Lebensversicherern aus dem Ausland rutschte von 8,9 Prozent 2005 auf 5,8 Prozent 2014. Aus Deutschland ist nur die Allianz in China präsent, nach Marktanteil gemessen kommt der Konzern allerdings nicht unter die zehn stärksten ausländischen Gesellschaften. Möglicherweise liegt das daran, dass das westliche Ausland das Potenzial des chinesischen Marktes unterschätzt. So wollte Ernst & Young schon 2014 gewusst haben, dass der chinesische Versicherungsmarkt bei den Beitragseinnahmen 2017 den dritten Platz in der Welt einnehmen werde. Tatsächlich aber ist das Reich der Mitte bereits Ende 2016 zur Nummer zwei aufgestiegen.

Kein Herz für Menschen mit Handicap

In China leben etwa 85 Mio. behinderte Menschen. Von der Größenordnung also mehr als die Bevölkerung Deutschlands insgesamt. Die Betreuung dieser Menschen wird in der…