Erschienen in Ausgabe 5-2017Märkte & Vertrieb

Versicherer hoffen auf Renzis Comeback

Italiens Regierung muss Reformen beschleunigen, ohne die Wähler zu verprellen

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Er hat nach dem verlorenen Referendum im letzten Dezember gelitten, war in die USA abgetaucht, galt als politisch geschwächt. Seine zahlreichen Gegner hatten ihre Chance gewittert und den ungeliebten Chef auch vom Parteivorsitz verdrängt. Doch sie hatten anscheinend seinen Kampfgeist unterschätzt: Matteo Renzi kämpft dann am besten, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht. Und so erlebte Italien in den vergangenen Wochen einen Renzi, der – fernab der roten Teppiche und der großen Weltpolitik – von Ortsverein zu Ortsverein des Partito Democratico tingelte, um an der Basis Überzeugungsarbeit zu leisten. Für seinen Kurs der Erneuerung, für Reformen, für eine Veränderung der politischen Kultur. Sein Einsatz hat sich ausgezahlt. Rund 68 Prozent der eingeschriebenen Parteimitglieder haben bei den parteiinternen Urwahlen zur Bestimmung des neuen Parteichefs für Matteo Renzi votiert. Er setzte sich damit deutlicher als erwartet von seinem ehemaligen Justizminister Andrea Orlando ab, auf den sich die Renzi-Gegner verständigt hatten. Demnächst folgt eine Urwahl über den Spitzenkandidaten für die im Herbst oder spätestens im Frühjahr kommenden Jahres anstehenden Parlamentswahlen. Alle Bürger stimmen ab, Renzi dürfte daraus als Sieger hervorgehen. Dann wird er wieder ganz vorne mitmischen in der großen Politik. Renzi ist in Rom angewiesen auf die Bühne des Parteivorsitzenden, da er als Quereinsteiger über kein Parlamentsmandat verfügt. Seit seinem Abschied führt sein enger Weggefährte Paolo Gentiloni die Regierungsgeschäfte. Es gilt als sicher, dass er Renzi nach erfolgreichen Neuwahlen Platz auf dem Chefsessel machen würde.

Stabilität als oberstes Gebot

Mit Renzis bevorstehendem Comeback dürfte wieder Bewegung in die politische Landschaft kommen. Denn Amtsinhaber Paolo Gentiloni macht keine Politik – er verwaltet. Und schweigt zumeist: Kein Sterbenswörtchen zur Spaltung seiner Partei, zur Bankenkrise, zur wieder einmal trudelnden Alitalia. Dabei wäre es für die Italiener interessant zu wissen, ob diese Regierung überhaupt eine Agenda verfolgt, denn die Probleme des Landes drängen weiter: Die Staatsverschuldung beträgt über zwei Bil. Euro, das Bruttosozialprodukt liegt acht Prozent, die Investitionen 28 Prozent und die Arbeitsproduktivität sechs Prozent tiefer als vor zehn Jahren. Die Arbeitslosigkeit wird auf absehbare Zeit zweistellig bleiben. Bezüglich der chronischen Wachstumsschwäche – die OECD prognostiziert gerade mal 0,6 Punkte fürs laufende und 0,8 fürs kommende…