Erschienen in Ausgabe 5-2017Märkte & Vertrieb

Spanier zeigen Pensionsfonds die kalte Schulter

Inverco-Verband vermisst politische Signale zur Reform der Altersvorsorge

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Spanien hat noch immer nicht die Frage beantwortet, welches Altersvorsorgemodell es will“, sagt Ángel Martínez-Aldama. Der Präsident des Verbandes der spanischen Investmentgesellschaften und Pensionsfondsverwalter Inverco vermisst klare Signale aus der Politik. Trotz des dringenden Handlungsbedarfs für eine Reform des Altersvorsorgesystems schwört lediglich die rechtsgerichtete Partei Partido Popular (PP) die Bevölkerung auf eine zusätzliche private Säule ein. Sie stellt zwar den Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, der allerdings einer äußerst fragilen Minderheitsregierung vorsteht. Alle anderen Parteien erwecken den Eindruck, dass das in völliger Schieflage befindliche staatliche Rentensystem mit nur leichten Korrekturen zu retten sei. Die vom Branchenverband Inverco gerade vorgelegten Zahlen zum Geschäftsjahr 2016 sind enttäuschend. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell guten Rahmenbedingungen, denn die spanische Wirtschaft boomt.
2016 ist sie bereits im zweiten Jahr in Folge um mehr als drei Prozent gewachsen, die Arbeitslosigkeit ist signifikant zurückgegangen. Das verwaltete Vermögen der Pensionsfondsverwalter erreichte 2016 laut Inverco eine Höhe von 106,8 Mrd. Euro. Das entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von nur 2,2 Prozent. Zum Vergleich: Die spanischen Lebensversicherer bauten 2016 die technischen Rücklagen bei der kapitalbildenden Lebensversicherung um 5,9 Prozent auf 171,7 Mrd. Euro aus. Die schwache Wachstumsdynamik der Pensionsfondsverwalter zeigt sich vor allem bei den Netto-Neuzuflüssen, denn das verwaltete Vermögen hat sich von 78 Mrd. Euro 2008 auf aktuell knapp 107 Mrd. Euro kontinuierlich erhöht. Die Netto-Neuzuflüsse ergeben sich als Saldo der abfließenden Gelder in Form von Leistungen an Kunden und dem zufließenden Kapital aus Beitragszahlungen. Nach Inverco erreichten die Leistungen an Kunden im letzten Jahr eine Höhe von 4,7 Mrd. Euro, während die Beiträge bei 4,9 Mrd. Euro lagen. Die Netto-Neuzuflüsse beliefen sich damit auf die ernüchternde Größe von nur 244 Mio. Euro. Das ist noch einmal um mehr als die Hälfte weniger als im ebenfalls enttäuschenden Geschäftsjahr 2015, als diese Kennziffer noch bei 512 Mio. Euro lag. Vor den wirtschaftlichen Krisenjahren ab 2008 flossen jährlich bis zu fünf Mrd. Euro netto in die Pensionspläne. Aktuell erreicht die Summe der vergangenen fünf Geschäftsjahre gerade einmal eine Höhe von zwei Mrd. Euro.

Hohe Verwaltungskosten senken Rendite

Bei der Ursachensuche für die…