Erschienen in Ausgabe 5-2017Märkte & Vertrieb

Gläserne Decken und unsichtbare Mauern

Europa tut sich schwer, die Geschlechterlücke im Top-Management zu schließen

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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In der Europäischen Finanzindustrie haben Frauen bei Banken und Versicherern die gläserne Decke noch immer nicht durchstoßen. „Frauen sind in Vorstandsetagen in der Finanzindustrie meist Fehlanzeige“, titelte die Financial Times zuletzt. Versicherungsunternehmen und Bankenhäuser tun sich weiterhin schwer, die Geschlechterlücke im Top-Management überzeugend zu schließen. Die gesammelten Daten von 50 der weltweit größten Banken, Versicherer, Asset Manager und professionellen Finanzdienstleister weisen eine weiterhin eklatante Diskrepanz von männlichen und weiblichen Spitzenverdienern auf.
Obwohl im Finanzdienstleistungssektor mehr als 50 Prozent Frauen arbeiteten, rückten nur 25 Prozent in die Vorstandsetage auf. Trotz politischer Initiativen auch auf europäischer Ebene, wie das jahrelange Ringen der ehemaligen EU-Kommissions-Vizepräsidentin, Viviane Reding, feste Quoten für Frauen in Vorstandsetagen in der EU einführen zu wollen, haben sich die Verhältnisse für Frauen nicht wirklich zum Besseren gewendet. Waren in den 50 Top-Unternehmen der Finanzindustrie im Jahre 2014 23,7 Prozent Frauen im Vorstandsrang zu finden, stieg die Zahl 2015 nur sehr langsam auf einen Wert von 25,5 Prozent an. Die Mission, die Geschlechterlücke bei Versicherern und Banken zu schließen, ist bislang nicht von Erfolg geprägt.
Beim Münchener Branchenprimus Allianz SE sitzen aktuell mit Jacqueline Hunt, zuständig für die Bereiche Asset Management sowie US Life Insurance, und Helga Jung, verantwortlich für den Sektor Insurance Iberia & Latin America, Legal, Compliance, Mergers & Acquisitions, gleich zwei weibliche Mitglieder im Vorstand. Der Rückversicherer Munich Re seinerseits hat jeweils bis 2022 Doris Höpke, Special and Financial Risks, sowie Giuseppina Albo, Europe and Latin America, mit Vorstandsmandaten ausgestattet. Ein weiterer Big Player am Standort Deutschland dagegen verzichtet auf die Expertise von Frauen im Topmanagement: die Talanx. Beim Versicherer aus Hannover hat gegenwärtig keine Frau einen Sitz im Vorstand.
Zu den Topqualitäten von Frauen zählen Headhunter, also die diskreten Vermittler von Positionen in Vorstandsetagen noch vor offiziellen Stellenausschreibungen, unter anderem ihre „sozialen Kompetenzen“. Gemischte Teams würden demnach häufig schneller konsensuelle Ergebnisse in kontroversen Fragen und Aufgabenstellungen erzielen. Die soziale Kompetenz und gesamtgesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen rückt in der globalisierten Welt seit einem…