Erschienen in Ausgabe 4-2017Unternehmen & Management

Talanx: Sanierung von Industrie- und Privatkundengeschäft zahlt sich aus – Digitalisierung kommt voran

Von Claudia Schmidt-WehrmannVersicherungswirtschaft

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Der Talanx-Konzern hat im Gj. 2016 mit 907 Mio. Euro Gewinn den Vorjahreswert um 24% übertroffen. Im laufenden Jahr rechnet Herbert K. Haas mit einem Überschuss von 800 Mio. Euro. Der Vorstandschef erwartet zudem eine stärkere Beanspruchung des Großschadenbudgets, das in den Vorjahren bei weitem nicht ausgereizt worden war. Zu Buche steht bereits ein Bruttoschaden von 25 Mio. Euro durch die verheerenden Waldbrände in Chile, die auch etliche von Talanx versicherte Weinberge vernichteten. Die Nettobelastung dürfte jedoch erheblich kleiner ausfallen. Insgesamt gesehen hat 2017 aber gut begonnen. Insgesamt rechnet Haas mit einem Wachstum der Bruttobeitragseinnahmen um etwas mehr als 1%. Die Kapitalanlagerendite soll bei mindestens 3 (Vj.: 3,6)% und die Eigenkapitalrendite bei mehr als 8 (10,4)% liegen.
Fortschritte machen soll der Umbau und die Stärkung des Erstversicherungsgeschäfts. Ziel sei, dass Rück- und Erstversicherung bis 2020/21 jeweils die Hälfte des Ergebnisses einfahren. Dazu beitragen soll die Industrieversicherung. Der Gewinn der Tochter HDI Global hat sich 2016 fast verdoppelt. Vor allem wurde das Portfolio in der deutschen Feuerversicherung bereinigt, um Prämien und Schäden wieder in ein günstigeres Verhältnis zu bringen. Ausgestiegen ist man wegen schwacher Zahlen aus dem Geschäft mit Fluggesellschaften und aus der Seekaskoversicherung. Die Bereinigung des Portfolios hat jedoch nicht dazu geführt, dass HDI mit dem Rasenmäher vorgeht. Davon wurde auch der bei Talanx versicherte Hähnchen-Züchter Wiesenhof der Firma Lohmann bewahrt. Bei diesem hatte es 2015 und 2016 zwei sehr teure Großbrände gegeben. Die Verträge seien neu verhandelt worden und würden zu anderen Konditionen weitergeführt. Aber auch das Sorgenkind der vergangenen Jahre, die Privat- und Firmenversicherung Deutschland hat im Rahmen des eingeleiteten Modernisierungsprogramms die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Das Sanierungsprogramm, das Kosteneinsparungen von 240 Mio. Euro bringen soll, wird erst in vier Jahren abgeschlossen sein. Dazu gehört auch der Abbau von 900 Stellen, wovon bis jetzt schon rund 200 sozialverträglich weggefallen sind.
Zur Strategie von Haas gehört auch die Internationalisierung und Diversifizierung des Konzerns. Im kommenden Jahr soll der Auslandsanteil der Erstversicherung 50% erreichen.
Im Gj. 2016 sind die Prämieneinnahmen des Konzerns um 2,2% auf brutto 31,1 Mrd. Euro gesunken. Währungsbereinigt blieben die Einnahmen nahezu stabil. Um 7,3% rückläufig…