Erschienen in Ausgabe 4-2017Märkte & Vertrieb

Dissidenten-Truppe mit hehren Zielen

Für kleine Makler führt die IGVM große Schlachten, eine Fusion mit der Konkurrenz würde nur deren Erfolg gefährden

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Zu seinem ehrenamtlichen Job als Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler e.V. (IGVM) ist Matthias Glesel ganz unvermutet gekommen. Als Berliner Makler mit Schwerpunkt Veranstaltungsversicherung hat er eigentlich genug zu tun. Doch als Gründungsmitglied des Verbandes konnte er 2013 eigentlich nicht Nein sagen, als er gefragt wurde, ob er die Nachfolge des bis dahin amtierenden Osnabrücker Maklers Matthias Helberg übernehmen wolle. Wie sein Vorgänger ist er in der Branche gut vernetzt. Zudem beschäftigt er in seinem Maklerunternehmen CompactTeam 13 Mitarbeiter und kann daher bei Bedarf Aufgaben delegieren.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 ist die IGVM ein aufsässiger, kleiner und reiner Maklerverband. Die Gründung selbst war ein wenig chaotisch und ist fast an der notwendigen Anzahl von Gründungsmitgliedern gescheitert. Vorstand und Mitglieder waren von Anfang an ausschließlich Makler, niemand ist hauptamtlich im Verband beschäftigt.

Absolute Unabhängigkeit für 240 Euro

Fördermitgliedschaften etwa durch Produktgeber kommen nicht infrage. „Das wollen unsere Mitglieder nicht. Für sie ist die absolute Unabhängigkeit das Allerwichtigste“, weiß Glesel. Die Themen, mit denen sich der Verband befasst, betreffen ausnahmslos die Mitgliedsfirmen – in der Mehrheit kleine Maklerunternehmen. „Für diese Klientel gab es bis dato keine angemessene Interessenvertretung“, berichtet er. Der Verband Deutscher Versicherungs-Makler (VDVM) vertritt eher große Unternehmen, der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) mehrheitlich die Vertreterschaft und im AfW Bundesverband Finanzdienstleistung sind sehr viele Finanzdienstleister organisiert. „Die kleinen Makler finden dort kein richtiges Zuhause“, hat Glesel erfahren. Das bietet für 240 Euro Jahresbeitrag (für Firmen bis zu drei Personen) die IGVM. Rund 250 Makler haben das Angebot angenommen, 2013 waren es noch ganze 50. Die Manpower des Verbandes ist natürlich begrenzt.
Kleine Makler finden hier eine Lobby, die sich vehement für ihre Rechte einsetzt. Der Ruf, ein manchmal sehr schmerzhafter Dorn im Fleisch der Branche zu sein, gefällt der IGVM sehr. Glesel spricht davon, dass viele Mitglieder gern eine „kleine Dissidenten-Truppe“ bleiben wollen. Wachstum ist natürlich nicht ausgeschlossen, aber mit Bedacht. Die Einstiegshürden sind klar definiert. Berufserfahrung oder Firmengröße gehören nicht dazu. Die Prinzipien und der Ehrenkodex der IG hingegen sind ein Muss. Neue Mitglieder…