Erschienen in Ausgabe 4-2017Unternehmen & Management

Werte für die Ewigkeit

Kunstversicherer beklagen den Ratenverfall, doch der Streit um öffentliche Museumsbestände könnte neue Impulse bringen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Kunstobjekte im Wert von drei Mrd. Euro und 282 Galerien – ein erhebliches Kumulrisiko für die Assekuranz auf der Maastrichter Kunstmesse Tefaf. Doch die Marktwerte stagnieren, weil die Zinsen und Börsen unerwartete Sprünge machen. Bereits 2016 waren die Auktionsergebnisse häufig nicht allzu berauschend gewesen. Weniger rasch ansteigende Marktwerte bedeuten gleichzeitig ein geringeres Wachstum der zu versichernden Werte. Spezialversicherer haben bereits mit einem fortlaufenden Ratenverfall zu tun. „Im Markt gibt es derzeit keine Mega-Verluste und die entsprechende Frequenz, die derzeit geeignet ist, die Ratenerosion in diesem Segment zu stoppen und einen Gegentrend auszulösen“, sagt Kai Kuklinski, CEO der Axa Art. Der Kunstversicherer war wieder Hauptsponsor der Tefaf, auch die Makler Aon und JLT hatten eigene Stände unterhalten.

Museen als schwarze Löcher

Beim Durchschweifen der Hallen erkannte man die Verlagerung des Sammlerinteresses weg von europäischen Möbeln des 18. Jahrhunderts (stattdessen Jugendstil, Sezession, Art Déco, Skandinavien der 1950er und Memphis) zu Ostasiatika, Tribal und Contemporary Art. Die Tefaf präsentierte Werke zum Thema der „Grande Horizontale“, des Weiteren stellte die auf den gleichnamigen Kardinal des 17. Jahrhunderts zurückgehende Römische Galleria Borghese eine Reihe von unverkäuflichen Werken aus Museumsbeständen aus.
Bislang gelten Werke in öffentlichen Einrichtungen als „res extra commercio“, d.h. wenn sie erst einmal dorthin durch Kauf, Schenkung oder staatliche Zuweisung gelangt sind, befinden sie sich nach verbreiteter Anschauung für alle Zeiten außerhalb des Wirtschaftslebens. Museen fungieren demnach als schwarze Löcher. Ins Wanken geriet dieses Prinzip erstmals angesichts der Insolvenz der Stadt Detroit, deren Kunstmuseum nicht mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit ausgestattet war. Die städtischen Gläubiger waren der Auffassung, sie hätten auch auf die zwei Mrd. Dollar teure Museums-Sammlung Zugriff. Doch die US-Regierung verhinderte einen Ausverkauf. Die Diskussion um Museumsbestände ist angesichts leerer Kassen und der Notwendigkeit, Museumssammlungen zu dynamisieren, jedoch nicht verstummt. Für manche dürfte es ein erneuter Schock sein, dass anlässlich der Tefaf die auf die Ecole de Paris spezialisierte Pariser Galerie Applicat-Prazan gleich zwei Werke des New Yorker Museum of Modern Art freihielt und dann noch hierzu die bebilderte Monographie „Two Works from MoMa“ herausgab. Die Schrift setzte sich mit dem…