Erschienen in Ausgabe 4-2017Märkte & Vertrieb

Der Löwe brüllt wieder

Generali bekennt sich zu unabhängigen italienischen Wurzeln und internationaler Ausrichtung

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Alles nur großes Theater? Nur eine Illusion? Zumindest aus heutiger Sicht sieht es so aus. Nach monatelangem Schauspiel um eine eventuelle Übernahme der italienischen Generali scheint der Vorhang gefallen. Vorerst zumindest. Von „exzellenten Ergebnissen“ sprach Vorstandschef Philippe Donnet bei der Bilanzpressekonferenz 2016. Und tatsächlich: Der Generali-Konzern hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem operativen Rekordergebnis von 4,83 Mrd. Euro abgeschlossen. Dies entspricht einem Plus von 0,9 Prozent gegenüber 2015. Der Gewinn klettert damit um 2,5 Prozent auf 2,08 Mrd. Euro. Der Triester Versicherer will sogar eine Dividende von 80 Cent pro Aktie ausschütten. Das erstaunt: Denn insgesamt betrachtet, kam es bei den Prämieneinnahmen 2016 zu einem Rückgang von 3,9 Prozent auf rund 70,5 Mrd. Euro. In der Lebensversicherung meldete Generali gar einen Rückgang bei den Prämieneinnahmen von 6,3 Prozent. In Schaden verbuchte der Konzern dagegen einen Zuwachs von 2,1 Prozent.
In der Bilanz abgeschrieben hat Generali laut Donnet auch seine Beteiligung am nationalen Bankenrettungsschirm Atlante, an dem der Konzern mit 52 Prozent beteiligt ist. „Die Ergebnisse bezeugen, dass die Umsetzung des Entwicklungsplans nach unseren Erwartungen erfolgt“, berichtet der Versicherer. Vorstandschef Donnet erklärte zudem, dass er keine feindliche Übernahme seitens von Mitbewerbern in Italien oder aus dem Ausland befürchte. Generali werde „eine unabhängige italienische Gruppe mit internationaler Ausrichtung bleiben“. Seit dem Jahreswechsel gab es wiederholt Spekulationen über eine Fusion des italienischen Flaggschiffs mit der Allianz oder einer Übernahme durch die Turiner Großbank Intesa Sanpaolo, die bereits in großem Umfang Aktien von Generali erworben hatte und kurz vor der Sperrminorität stand. Das erwartete Übernahmeangebot an die Aktionäre blieb jedoch aus, der Übernahmepoker wurde von der Banca Intesa kurzfristig abgebrochen. Bei der Abwehrschlacht hatten auch Unicredit und Mediobanca mit ihren Überkreuz-Beteiligungen mitgemischt. Grund dürften kartellrechtliche Bedenken der Wettbewerbshüter in Rom und Brüssel gewesen sein. Das würde vor allem bei einer Hochzeit zwischen Generali und Allianz gelten. Auflagen und Reibungsverluste einer solchen Partnerschaft dürften die Vorteile deutlich überwiegen. Für den deutschen Generali-Zweig dürften die Bilanzzahlen Entwarnung bedeuten. Für eine Verringerung oder gar ein Abstoßen des Deutschland-Geschäfts besteht kein Grund.