Erschienen in Ausgabe 4-2017Köpfe & Positionen

Konkurrenz mit Schwachstellen

Vertriebe reagieren abgeklärt auf das Vordringen von Insurtechs im Versicherungsgeschäft

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Insurtechs haben keine IT-Lasten, sondern fangen auf der grünen Wiese an“, erklärte Ralf Kantak, Vorstandsvorsitzender der SDK Gruppe, auf dem Stuttgarter Versicherungstag. Im Vergleich zu den neuen Playern seien Versicherer mit Blick auf die Innovationskraft „informationstechnologische Dinosaurier“. Diese hätten oft Milliarden in ihre teils jahrzehntealten Bestandssysteme investiert. Die Software und Abläufe zu erneuern falle ihnen daher schwer. Das Wissen jedoch mit den qualifizierten Mitarbeitern sei auf der Seite der etablierten Akteure.

Digitalisierungwelle steht noch am Anfang

Dass die Digitalisierung von den Versicherungsunternehmen nicht aufzuhalten sei, davon ist Kantak überzeugt: „Wenn wir einen Leistungsfall bewerten, sind bis zu 900 Elemente einzeln zu prüfen.” Die Digitalisierung biete enormes Einsparpotenzial, das man strategisch nutzen müsse. Anstelle von Beratungsunternehmen setze der in Fellbach beheimatete Versicherer in diesem Bereich vor allem auf die Zusammenarbeit mit einer Hochschule – der ESB Business School Reutlingen. Im Rahmen eines hauseigenen Innovationlabs etwa wurden die dortigen Studierenden dazu eingeladen, um mögliche Digitalisierungsprojekte zu identifizieren.
Ebenfalls ein Lab betreibt Sascha Noack vom New Players Network – initiiert von den Versicherungsforen Leipzig. Die Digitalisierungswelle stehe seiner Meinung nach jedoch erst am Anfang.
Nach Angaben von Noack sei die geschäftliche Zukunft der Insurtechs ungewiss, zumal keines von ihnen eine Unique Selling Proposition (USP) besitze. Keines der aufstrebenden Jungunternehmen habe den Markt und Versicherungsprodukte wirklich revolutioniert. Schließlich würden sie von den großen Versicherern aufgekauft. Allerdings sei Kooperation auch König, denn 68 Prozent aller Insurtechs hätten ein kooperatives Geschäftsmodell.
Dass die Insurtechbranche noch nicht ganz ausgereift ist, glaubt auch der Präsident des Verbandes Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) Georg Bräuchle. Seiner Meinung nach seien die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einiger Insurtechs mangelhaft und entsprächen nicht den Pflichten des Versicherungsmaklers.
Besonders der Pflicht zur Unterstützung im Schadenfall kämen Vertriebs-Insurtechs nur unzureichend nach. Für den Fernabsatz gelte bisher keine Beratungspflicht. Diese müsse auch für Insurtechs eingeführt werden, damit gleiche Spielregeln für alle herrschten, forderte Bräuchle. Zu große Sorgen um seine Verbandsmitglieder macht sich der Experte jedoch nicht: „Im…