Erschienen in Ausgabe 4-2017Unternehmen & Management

Risikoanalyse und gestresste Bilanzen

Marktwertbilanz zu Solvabilitätszwecken wird Informationsfunktion nur bedingt gerecht

Von Torsten Rohlfs und Julian FröhlingsdorfVersicherungswirtschaft

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Mit der Einführung von Solvency II stehen die Versicherer unter Druck, sich stärker mit ihrem eigenen Risikoprofil auseinanderzusetzen und es zu bewerten (Säule 1). Auch inhaltliche und organisatorische Anforderungen an das Risikomanagement, an unterschiedliche Unternehmensfunktionen und ausgewählte Stakeholder rücken stärker in den Fokus (Säule 2). Damit wurden europaweit notwendige Standards gesetzt.
In diesem Jahr werden mit dem Solvabilitäts- und Finanzbericht (SFCR) nun auch weitreichende Angaben zum individuellen Risikoprofil eines Versicherungsunternehmens der breiten interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt (Säule 3). Neben einer qualitativen Beschreibung der individuellen Risikosituation sind auch quantitative Angaben fester Bestandteil dieses Berichts. Systematisiert werden die quantitativen Angaben über die Quantitative Reporting Templates (QRT), die im Anhang zum SFCR aufgeführt werden. Dazu gehören u.a. die Solvabilitätsübersicht, also die Marktwertbilanz zu Solvabilitätszwecken (Solvenzbilanz), und die Solvenzkapitalanforderungen, die ein Unternehmen als Anforderungen an die Eigenmittel einhalten muss, um seine Risiken in ausreichender Form abdecken zu können.1
Diese Berichterstattung an die Öffentlichkeit soll der Stärkung der Marktdisziplin durch Transparenz dienen. So kann nun jeder europaweit die verschiedenen Marktwertbilanzen und den Risikokapitalbedarf der einzelnen Versicherer sichten. Grundsätzlich soll damit die Vergleichbarkeit erhöht werden, indem einheitliche und entscheidungsnützliche Informationen den unterschiedlichen Adressaten zur Verfügung gestellt werden. Inwiefern die durch das Aufsichtssystem vorgegebene Darstellung diesen hohen Zielen gerecht werden kann, wird immer zu diskutieren sein.

Solvenzquote nicht einheitlich bestimmt

Eine wesentliche Frage im Risikomanagement besteht darin, inwiefern das gesamte Risiko durch das Unternehmen auch getragen werden kann. Weist es ausreichend hohes ökonomisches Eigenkapital aus? Die Frage nach der Möglichkeit zur Abdeckung der Risiken wird durch das Maß der Risikotragfähigkeit veranschaulicht. Sie beschreibt die Fähigkeit, Verluste aus Risiken zu absorbieren, ohne dass daraus eine direkte Gefahr für die Existenz des Unternehmens entsteht:
Dieses ökonomische Prinzip findet auch im Aufsichtsregime Anwendung: Als Solvenzquote ist sie die entscheidende Kennzahl im Marktvergleich und ergibt sich aus den vorhandenen aufsichtsrechtlichen Eigenmitteln in Relation zu den…