Erschienen in Ausgabe 4-2017Unternehmen & Management

„Die Erkenntnislage ist oft unzureichend“

Bundeskriminalamt-Experte Heiko Löhr über Einfallstore für Cyberkriminelle und geschärfte Risiko-Sinne

Von Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Versicherungswirtschaft: Cybercrime wird immer mehr zum Megathema – sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Wie ordnen Sie die aktuellen Entwicklungen ein?

Heiko Löhr: Cybercrime – in all ihren Ausprägungen – ist eine wachsende Industrie mit enormem Schadenspotenzial und derzeit noch viel zu geringen Risiken für Straftäter. „Klassische“ Kriminalitätsphänomene wie Diebstahl, Betrug, Waffen- und Drogenhandel oder auch Kinderpornografie verlagern sich zunehmend ins Internet. Auch im Bereich Terrorismus und Extremismus spielt das Netz eine immer größere Rolle. Viele Tatgelegenheiten gewährleisten ein Höchstmaß an Anonymität. Hinzu kommen umfangreiche Tutorials und Handlungsanleitungen, sowie Kundenservice und -betreuung, sodass sich potenzielle Täter mit allen notwendigen Tools und Kenntnissen für die Begehung von Cyber-Delikten ausstatten können. Die häufig sehr geringen Preise machen das Angebot im Darknet umso attraktiver.

Wie groß sind die Risiken für die Versicherer? Sie können schnell zum Opfer von Hackerangriffen werden, zumal gerade die Insurance-Industrie mit sensiblen Kundendaten zu tun hat.

Die Abläufe in Unternehmen werden immer abhängiger von der Informationstechnologie. Mit den Möglichkeiten und Chancen steigen jedoch auch hier die Risiken, was naturgemäß auch Auswirkungen auf die Versicherungsbranche hat: Haftpflichtschäden eines Unternehmens, das durch ungewollte Weiterleitung eines Computervirus die Abläufe eines anderen beeinträchtigt, Ausfälle in Unternehmen, die selbst Opfer eines Hackerangriffs, einer Virusattacke oder eines Datenverlustes wurden oder der Ausgleich für dadurch verursachte Reputationsschäden sind mögliche Beispiele aus diesem Bereich.

Fortwährend verändert sich die Form der Attacken – den Hackern sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Was ist die größte Herausforderung?

Eine der großen Herausforderungen bei der Bekämpfung von Cybercrime ist es, Ermittlungsansätze zu finden. Der schnelllebige Charakter des Delikts führt dazu, dass sich Strafverfolgungsbehörden zunehmend mit neuartigen Angriffsarten und –vektoren konfrontiert sehen. Anonymisierungs- wie Verschleierungsmöglichkeiten und konspiratives Vorgehen auf Seiten der Kriminellen gehen mit einer oft zunächst unzureichenden Erkenntnislage einher.

Welche Faktoren sind entscheidend für eine erfolgreiche Präventionsstrategie?

Nur ein umfassendes Bild über die Dimension und Erscheinungsformen von Cybercrime gibt den Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern die Möglichkeit…