Erschienen in Ausgabe 4-2017Schlaglicht

Vom Traualtar in den Run-off

Ergo und Generali haben sich von den Fehlern ihrer Großfusionen immer noch nicht erholt

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Spektakuläre Fusionen in der deutschen Versicherungswirtschaft sind nichts Ungewöhnliches. Seit den 90er Jahren gilt in der Branche das Motto „Größer werden, Marktanteile gewinnen und Konkurrenten loswerden.“ Der freie europäische Markt tat sein Übriges, ausländische Versicherer griffen gerne nach den Juwelen in Deutschland. 1996 ging die Deutsche Beamtenversicherung DBV mit dem Deutschland-Ableger der Winterthur zur DBV-Winterthur zusammen. Inzwischen wurde dieser Versicherer vom Axa-Konzern geschluckt. Die Hamburger Albingia (1999), die Kölner Nordstern-Versicherungen sowie die Colonia Gesellschaften (Mitte der 1990er) gehören heute ebenfalls zum Versicherungsimperium im westlichen Nachbarland.

Luftschlösser mit Arbeitsplatzabbau

Bereits 1985 erwarb die Schweizer Bâloise die Aktienmehrheit an der Deutscher Ring Lebensversicherungs-AG. Zusätzlich übernahm sie das gesamte Aktienpaket der Deutscher Ring Sachversicherungs-AG. Seit April 2009 ist dagegen die Deutscher Ring Krankenversicherung als VVaG Teil des Gleichordnungskonzerns Signal-Iduna. Inzwischen sind die beiden Deutscher Ring-Unternehmen in die Basler Versicherungen eingegliedert worden. Der traditionelle Name ist Geschichte.
Spektakulär war 2007 die Ankündigung, dass die Generali in München mit den traditionsreichen Volksfürsorge Gesellschaften fusionieren wird. Der Druck, zwei ungleiche Schwestern zusammen zu tun, kam vom italienischen Großaktionär aus Triest. Dieser wollte unbedingt neben der Aachen Münchener einen großen Player am Markt unter seinem Namen schaffen. Kostenvorteile von jährlich 100 Mio. Euro wurden als schlagendes Argument angeführt. Nach der Fusion werde das Unternehmen in der Lebensversicherung Platz vier einnehmen, in der Schaden- und Unfallversicherung Rang sechs, hieß es euphorisch. Doch die Bilanz ist ernüchternd: Im Leben-Geschäft soll Deutschland-Chef Giovanni Liverani den Run-off planen, bisher hat es maximal für Platz sechs gereicht, und der Kompositversicherer ist bis heute nicht über Platz neun hinausgekommen. Zur Wahrheit gehört auch, dass bis heute Tausende von Arbeitsplätzen dieser Fusion zum Opfer gefallen sind.
Schon ein Jahr später bestimmte die nächste Großfusion die Schlagzeilen: Die Hamburg-Mannheimer wurde mit der Victoria in den Ergo-Konzern integriert. Zwei weitere Riesen der Branche verloren ihre Eigenständigkeit. Auch die Ergo kämpft bis heute gegen zu hohe Kosten und die Altlasten der Victoria. Unternehmenschef Markus Rieß hat es bislang nicht…