Erschienen in Ausgabe 4-2017Schlaglicht

Beistand für den Break-up

Warranty & Indemnity-Policen als unternehmerischer Sicherheitsfaktor bei Fusions- und Übernahmeprojekten

Von Dr. Dennis Froneberg und Sven DannemannVersicherungswirtschaft

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Der Einsatz von Warranty & Indemnity (W&I) Versicherungen bei Mergers & Acquisition-Transaktionen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen und den Markt deutlich verändert. Auch in der DACH-Region bricht dieser Trend seit 2014 immer weiter durch. Im vergangenen Jahr wurde bei AIG Deutschland für mehr als 400 M&A-Transaktionen eine W&I-Versicherung angefragt – 2014 lag die Zahl noch unter 100 Anfragen. Diese Entwicklung lässt sich auf unterschiedliche Ursachen zurückführen: Zum einen ist der Underwriting-Prozess insgesamt effizienter geworden, weil bei Versicherern und Maklern eine entsprechende Professionalisierung stattgefunden hat. Zum anderen ist der Underwriting-Prozess auch dadurch schneller geworden, dass der Versicherer bei der Käuferpolice Zugriff auf die käuferseitig durchgeführte Due Diligence hat und mit seinem Underwriting hierauf aufsetzen kann, statt bei Null beginnen zu müssen.
Vorangetrieben wurde die Verbreitung der W&I-Versicherung aber vor allem durch Finanzinvestoren, die die Vorteile des Tools aus Verkäufersicht bereits früh erkannt haben. Bei der Beendigung eines Investments und dem Abverkauf des entsprechenden Unternehmens oder Grundstücks lässt sich die Verkäuferhaftung durch den Einsatz einer W&I-Versicherung mit 0,5 Prozent des Transaktionsvolumens auf ein Minimum reduzieren oder sogar vollständig ausschließen. Der Veräußerungserlös muss somit nicht mehr bis zum Ablauf der Gewährleistungsfristen als Sicherheit für etwaige Gewährleistungsansprüche des Erwerbers dienen, sondern steht sofort zur Verfügung.

Schneeballeffekt pusht das Produkt

Schließlich ist ein gewisser Schneeballeffekt zu beobachten, der ebenfalls zur Verbreitung der W&I-Versicherung beiträgt. Strategische Investoren, die in einem Bieterverfahren mit einer Versicherungslösung konfrontiert werden, weil etwa der Verkäufer bzw. dessen Berater den Prozess so aufsetzt, dass der Abschluss einer Käuferpolice von vornherein vorgesehen ist („Stapled Insurance“), erkennen die Vorteile, die eine W&I auch für den Käufer bietet und setzen die Versicherungslösung bei ihrer nächsten Transaktion erneut ein. Mit Abschluss der Versicherung werden die Gewährleistungsfristen gegenüber dem Kaufvertrag deutlich verlängert und auch die vom Versicherungsnehmer selbst gewählte Versicherungssumme geht weit über die Haftungshöchstgrenze hinaus, für die ein Verkäufer einer unversicherten Transaktion einstehen würde. Diese Möglichkeit der…