Erschienen in Ausgabe 4-2017Schlaglicht

„Schwergewichte sind machtvolle und stolze Gebinde“

Jochem Reichert, führender deutscher M&A-Jurist, über die unternehmerische Anstrengung, Großkonzerne zusammenzuführen

Von und David GorrVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Herr Reichert, Sie waren dabei bei den ganz großen M&A-Deals der deutschen Wirtschaft – etwa bei der Fusion von Daimler Benz zu Daimler Chrysler oder bei der Übernahme der Dresdner Bank durch den Allianz Konzern. Die einen sehen in Ihnen vor allem einen juristischen Fachmann, die anderen einen Berater und eine Art Mediator. Wie würden Sie selbst Ihre Rolle, aber auch Ihre wirtschaftliche Verantwortung einordnen?

Jochem Reichert: Als Anwalt ist man dafür verantwortlich, die Ziele des Mandanten auf ihre juristische Umsetzbarkeit zu prüfen und den notwendigen rechtlichen Rahmen für ihre Realisierung zu schaffen. Die Übergänge zwischen rein unternehmerischen und juristischen Fragen sind jedoch oft fließend; ein guter Berater sollte daher auch unternehmerische und strategische Gesichtspunkte berücksichtigen und so ein Bindeglied zwischen unternehmerisch agierenden Managern und dem ausschließlich auf juristische Umsetzung fokussierten Juristen sein. Gefragt sind Kreativität, das Fortdenken strategischer Ansätze und die Entwicklung juristischer Strategien, sie weitestmöglich umzusetzen.

Was war Ihre bislang anspruchsvollste Aufgabe? Wieso?

Es fällt mir schwer, einen Komplex besonders hervorzuheben. Spontan fällt mir die Beratung auf Gesellschafterebene der heutigen Airbus-Gruppe (ehemals EADS) ein. Es war eine Herausforderung, das deutsch-französisch-spanische Gemeinschaftsunternehmen, in das Daimler und Lagadère, der französische und mittelbar auch der spanische Staat ihre jeweiligen Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsaktivitäten eingebracht haben, zu formen. Spannend waren die über die Jahre hin erfolgten Veränderungen in der Corporate Governance derer, die zunächst etablierte deutsch-französische Doppelspitzen abgebaut und neue Strukturen geschaffen haben, die jedoch weiterhin den spezifischen auch nationalen Interessen auf Anteilseignerseite Rechnung getragen hatten. Es waren die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens, die spezifischen Anteilseigner-Interessen privater Anteilseigner, wie etwa von Daimler und Lagadère, aber auch der beteiligten Staaten zu berücksichtigen. Ferner war den Kontrollerfordernissen, die sich aus der Tätigkeit auf dem Gebiet der Verteidigungstechnik ergeben, Rechnung zu tragen. Dies galt namentlich bei dem Ausstieg der privaten Investoren, einer Reduzierung der staatlichen Beteiligung und eines Schutzes des Unternehmens vor ungewollten Einflüssen künftiger Aktionäre.

Wachstum, so heißt es im