Erschienen in Ausgabe 4-2017

Rechenspiele

Von Dr. Dirk SolteVersicherungswirtschaft

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Eins und Eins ergibt Zwei. Rein mathematisch dürfte diese Formel zu den wenigen unumstößlichen Wahrheiten des Lebens gehören – sowohl gesellschaftlich als auch ökonomisch. Wenn zusammengezählt wird, entsteht etwas Neues, etwas Größeres, etwas Logisches.
Ausgerechnet in der Versicherungsbranche, wo operative Entscheidungen auf Basis von Zahlenwerten, statistischen Daten und unter strategischer Berücksichtigung eines harten Wettbewerbs getroffen werden, lässt sich diese Wahrheit in so manchem Fall aber doch umstoßen. Etwa, wenn sich im Rahmen von Fusionsprojekten zwei zusammentun.
Dass der unbedingte Wille nach mehr Marktmacht durchaus schmerzhaft enden kann, hat der Münchener Allianz-Konzern vor einigen Jahren mit dem Dresdner-Bank-Fehlschlag (siehe Titelreport ab Seite 18) am eigenen Leib erfahren. Generali und Ergo leiden noch heute unter einem wohl zu ambitionierten Fusionsdrang vergangener Tage. Andere Projekte wiederum sehen zumindest aus aktueller Sicht erfolgsversprechender aus, wie der Deal zwischen der schweizerisch-amerikanischen Ace und dem Traditionsversicherer Chubb aus dem Jahr 2015.
Tatsächlich gleichen M&As häufig einem Vabanque-Spiel – doch nur weil das Logische augenscheinlich ist, kann das tatsächlich Ausgewürfelte in der wirtschaftlichen Praxis eine völlig andere Konstellation ergeben. Und wenn wir schon bei der Unumstößlichkeit von Wahrheiten sind: Eine weitere dürfte zumindest mit Blick auf Fusionen und Übernahmen hinzukommen. Nämlich die, dass durch die unternehmerischen Mammutprojekte andere Baustellen in den Hintergrund rücken.
Es war bedrückend, im Rahmen der Jahrestagung des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft in Berlin von dem Bundestagsabgeordneten Manfred Zöllmer zu erfahren, die Messlatte der Gesetzgebung seien „einigermaßen gute Regeln“. Als Mitglied im Finanzausschuss habe er das, was zu regeln ist, nicht gelernt – lesen könne er die große Anzahl an Seiten schon aus zeitlichen Gründen nicht. Man könne von den Unternehmen nicht „Fit and Propper“ fordern und es selber nicht sein, erklärte daraufhin ein Branchenvertreter. Eiopa-Chef Gabriel Bernardino steuerte die Erkenntnis bei, dass es nicht leicht sei, gut ausgebildete Leute zu bekommen. Schade nur, dass weder Politik, noch Wirtschaft und Wissenschaft zur Beseitigung des Grundübels mangelnder Kenntnisse bessere Bildungsstandards einfordern. Schließlich sind gut ausgebildete Köpfe das eigentliche Wertefundament einer Gesellschaft.
Es ist zu hoffen, dass die…