Erschienen in Ausgabe 4-2017Unternehmen & Management

Eiopa blickt auf das große Ganze

Europäische Versicherungsaufsicht will schädliche Wirkungen von gängigen Vergütungs- und Anreizsystemen verhindern

Von Carola Rathke und Thomas TüllmannVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Die Umsetzung der Insurance Distribution Directive (IDD) kommt voran. Nachdem das Bundeswirtschaftsministerium noch 2016 einen Referentenentwurf zu einem Umsetzungsgesetz veröffentlicht hat, liegt seit Januar 2017 ein Gesetzesentwurf vor. Im Februar hat die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa zudem sogenannte technische Empfehlungen für delegierte Rechtsakte zur IDD veröffentlicht, die weitere Regelungen durch die Europäische Kommission vorbereiten.
Die nunmehr vorliegenden Regelungen und Entwürfe sind konkret genug, um in den betroffenen Unternehmen Umsetzungsprojekte aufzusetzen. Sie lassen erkennen, dass die Umsetzung der IDD in manchem Fall zwar ein Mammutwerk sein mag – ein Hexenwerk ist sie nicht. Wer die Projekte rechtzeitig organisiert und sich kompetente Unterstützung holt, wird für viele Probleme bereits heute gangbare Lösungen finden. Ein Teil der Regelungen der IDD hat dabei ein Vorbild: die zweite Finanzmarktrichtlinie, kurz Mifid II.
Der Mifid-II-Umsetzungsprozess ist schon deutlich weiter fortgeschritten, als der IDD-Umsetzungsprozess. Aus den dort gemachten Erfahrungen lassen sich Lehren ziehen. Zwar gelten am Versicherungsmarkt andere Gegebenheiten als am Finanzmarkt, so dass Lösungswege nicht 1:1 übertragbar sind. Ein „Blick über den Tellerrand“ kann jedoch für manches Problem richtungsweisende Lösungsansätze aufweisen. Im Folgenden soll anhand von drei Beispielen dargestellt werden, mit welcher Zielsetzung betroffene Unternehmen der Versicherungsbranche Umsetzungsprojekte aufsetzen können.
„Die Vertriebsvergütung von Versicherungsunternehmen und deren Angestellten darf nicht mit ihrer Pflicht, im bestmöglichen Interesse der Kunden zu handeln, kollidieren.“ Dieser Satz aus § 48a des Gesetzesentwurfs zum Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), der ein Kernanliegen der IDD aufgreift, scheint auf den ersten Blick kaum umsetzbar. Denn er verbindet zwei Begriffe, die nur schlecht zusammenpassen: „Vertriebsvergütung“ und „Kundeninteresse“. Mehrfach ist daher die Befürchtung geäußert worden, es gehe eigentlich darum, die bisherigen provisionsbasierten Vergütungssysteme abzuschaffen. Wie die IDD, regelt auch Mifid II Vertriebsvergütungssysteme. Bei der Frage ihrer Zulässigkeit schlägt Mifid II jedoch einen anderen Weg ein. Eine grundsätzliche Absage an die bisherigen Systeme, die auf Vertriebsprovisionen basieren, ist aber weder der Mifid II noch der IDD zu entnehmen.

Vertriebsstrategie auf festgelegten Zielmarkt abstimmen

Die Eiopa hält…