Erschienen in Ausgabe 4-2017Märkte & Vertrieb

Geschäft auf Leben und Tod

Spanische Sterbegeldversicherer verzeichnen stabile Wachstumsraten

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Diskretion lautet das oberste Gebot. Die führenden Sterbegeldversicherer Spaniens befinden sich in Familienbesitz und ihre Eigentümer scheuen das Licht der Öffentlichkeit. Die in Spanien Seguro de Decesos genannte Sterbegeldversicherung ist kein Nischenprodukt, wie in anderen Ländern. Nach den zuletzt vorgelegten Zahlen des lokalen Versichererverbandes Unespa sind 21,1 Millionen Spanier bzw. 45 Prozent der Gesamtbevölkerung über eine solche Police versichert. Die Branche hat im Geschäftsjahr 2015 rund 250.000 Bestattungen durchgeführt, das entspricht 57 Prozent aller Todesfälle landesweit. Die Sterbegeldversicherung ist, abgesehen von der Kraftfahrtversicherung, die am meisten verbreitete Policenart. Kein anderes Land der Welt verfügt über einen derart entwickelten Markt in diesem Versicherungszweig. Innerhalb der Gruppe der Nicht-Pflichtversicherungen ist sie die Nummer eins.
Beim Blick auf die führenden Gesellschaften fällt die Marktmacht auf, die das Führungsduo Santalucía und Ocaso innehat. Gemeinsam kontrollieren sie 56 Prozent des Prämienvolumens. In den wirtschaftlichen Krisenjahren Spaniens hatte die Sterbegeldversicherung die stabilsten Wachstumsraten. Sie weist zudem traditionell eine der besten Schaden-Kosten-Quoten des Marktes aus. Auffällig ist, dass sie nicht in allen Regionen den gleichen Zuspruch in der Bevölkerung genießt. Besonders erfolgreich ist die Police in wirtschaftlich schwächeren Regionen wie der Autonomen Gemeinschaft Extremadura, in der 68 Prozent der Bevölkerung versichert ist. Dem stehen wirtschaftlich starke Regionen wie beispielsweise die Balearen mit 21 Prozent gegenüber.
Die Sterbegeldversicherung ist, anders als bei den restlichen Versicherungszweigen im spanischen Markt, komplett in spanischer Hand. Die Marktzugangshürden sind hoch und die bestehenden Kooperationen mit den Bestattungsunternehmen schwer zu durchbrechen. Die typischen Sterbegeldversicherer sind traditionell Einspartenversicherer, die sich erst im Laufe der Zeit mit dem Eintritt in neue Sparten diversifiziert haben. Die meisten Akteure haben als Familienversicherer begonnen oder sind es heute noch. Die Eigentümer sind zum Teil illustre Persönlichkeiten. So zum Beispiel bei der Nummer zwei der spanischen Sterbegeldversicherer, der Gesellschaft Ocaso. Sie kontrolliert knapp 22 Prozent des Marktvolumnes und befindet sich im Besitz der Adelsfamilie Castelo d’Ortega. Präsidentin der Gesellschaft ist Isabel Castelo d’Ortega, deren Vermögen nach der Zeitschrift…