Erschienen in Ausgabe 4-2017Schlaglicht

Geballte Fäuste für ein Halleluja

M&A-Deals sind riskant, aber oft der einzige Weg zum Wachstum – ihr Erfolg hängt nicht nur vom Management ab

Von David Gorr und Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Aktuell scheitert insgesamt jede zweite Übernahme. Das ist der Schnitt über alle Branchen hinweg“, bilanziert Professor Kai Lucks, Fusionsexperte und Geschäftsführer des Merger Management Instituts (MMI) aus Gauting bei München. Obwohl auch die Finanzinstitute von dieser Entwicklungen betroffen sind, nehmen die weltweiten M&A-Aktivitäten von Banken und Versicherern kontinuierlich zu.
Seit 2014 haben sich die Transaktionen im Insurance-Sektor sogar verdreifacht, stellt Willis Towers Watson fest. Davon stammen die meisten aus reifen Märkten, vor allem aus den USA und Europa. Auch wenn nicht jede Unternehmens-Ehe den erhofften Erfolg mit sich bringt, sind Zukäufe oft der einzige Weg, um neue Marktanteile zu gewinnen. Das gilt für Autobauer und für Versicherer gleichermaßen. „Wer nicht wächst, stirbt“, begründete Allianz-Chef Oliver Bäte zuletzt sein Übernahmestreben vor Investoren. Seit Jahren haben große Versicherer Probleme, aus eigener Kraft im Kerngeschäft zu wachsen. Während die Branche als Ganzes 2017 um vier bis fünf Prozent bei den Beitragseinnahmen zulegen soll, rechnet die Allianz selbst mit einer Stagnation beim Umsatz. Bei den Rivalen aus Paris, Zurich und Triest sieht es nicht besser aus.

Harte Zutrittschranken in Asien

Dass in wenigen Jahren durch autonome Fahrzeuge das Kfz-Geschäft wegbrechen könnte, kommt erschwerend hinzu. Die Leben-Sparte wird bedroht vom Auslaufen steuerlicher Privilegierungen und den auf dem Altgeschäft lastenden Zinsgarantien; das Krankengeschäft durchläuft ohnehin eine schleichende Kollektivierung. Auf den entwickelten Märkten sind Wachstumsschübe am ehesten noch in den Bereichen der Vorsorgedeckungen und der Betriebsunterbrechungen denkbar. Ansonsten können diese wohl nur von bislang unterversicherten Schwellenländern kommen. Allerdings sind die protektionistischen Zutrittsschranken bei den sich eigentlich aufdrängenden Kandidaten China und Indien beträchtlich. Übrig bleiben auf der Liste der Zielländer die englischsprachigen Immigrationsländer USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Auch die in Lateinamerika dominierende Mapfre Gruppe ist mit einer Marktkapitalisierung von 9,3 Mrd. Euro noch ein relativ günstiger Übernahmekandidat.
„Die Mittel für große Übernahmen sind da“, stellt Marcus Severin fest. Nach Angaben des Insurance-Leiters des deutschen Blackrock-Geschäfts müsse man sich genau überlegen, was man anfassen möchte. „Viele suchen gerade wegen Solvency II einen Sachversicherer, aber diese sind zu…