Erschienen in Ausgabe 4-2017Unternehmen & Management

Ausgeguckt

Prädiktive Analysen können Versicherer in eine neue Dimension der Effizienz befördern

Von Volkhardt KleinVersicherungswirtschaft

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Im Augenblick erleben wir einen magischen Moment: Große Datenmengen, hohe Rechenleistung und kluge Algorithmen treffen aufeinander. Alte Menschheitsträume scheinen Wirklichkeit zu werden: Die Vorhersage von Zukunft. Durch geschickten Marktauftritt der Anbieter gepaart mit spektakulären Fällen sind Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und prädiktive Analysen in weiten Teilen der Gesellschaft angekommen. Spiegelbestseller wie „Zero. Sie wissen, was du tust“ tragen mit dazu bei, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung zwischen Heilsversprechen und Verteufelung schwankt, wie der Medienhype um Cambridge Analytica, Brexit und der Wahl des amerikanischen Präsidenten Donald Trump beispielhaft zeigen. Während SAP Deutschland in vielen Branchen wie Medien, Automobil, Telekommunikation, Konsumgüter solche Projekte begleitet, ist es bei den Versicherern ruhig bis still. Warum ist das so? Meist lautet die Antwort: Es werden kaum Anwendungsbereiche gesehen und/oder es gab bisher keinen ausreichenden oder durchschlagenden Projekterfolg. Dabei kann durchaus der Nutzwert vorhandener und neuer Daten durch prädiktive Analysen im Versicherungswesen erkannt und vergrößert werden.

Knochenjob auf der Spielwiese

Dazu müssen zwei Dinge aufeinandertreffen: Geeignete Anwendungsszenarien und breite Prozessintegration von Vorhersagewerten in kleineren, agilen Projekten. Die erste Wahl der Vorgehensweise ist die Top-Down-Methode. Anhand einer konkreten Frage wird Unternehmensbereich und Umfang konkretisiert: Welche Kunden empfehlen uns weiter? Welche Verträge sind stornogefährdet? Welche RS-Fälle geben wir in die Revision? Welches Schmerzensgeld schlagen wir für Nichtberufstätige vor? Welche Schäden haben Regresspotenzial? Welche Krankenhausrechnung ist auffällig? Welche Lastschrift geht in den Rücklauf? Welchen Gewerbebetrieb versichern wir in welcher Nachbarschaft?
Oft werden Antworten in bereits vorhandenen Daten des Unternehmens gefunden. Von diesen Antworten hängen Auswirkungsanalyse und Hebeleinschätzung ab, also die wirtschaftliche Relevanz und damit das Ergebnis des in der Regel später noch zu erstellenden „Business-Cases“ oder sprechender: der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Wann immer ich in den letzten zwei Jahren mit Fachabteilungen aus Vertrieb, Produkt, Betrieb, Schaden, Marketing, Underwriting etc. ins Gespräch kam: Nach kurzer Zeit paarte sich Sachverstand mit Kreativität und schnell wurden konkrete Fragen gefunden, deren Antworten gleicherweise nützlich wie nicht…