Erschienen in Ausgabe 3-2017Köpfe & Positionen

Notfall-Maßnahme wird zur langfristigen Strategie

Brexit und Solvency II werden für weiteren Boom im Run-off-Geschäft sorgen

Von Susanne Görsdorf-KegelVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Wie geht es weiter?“ war zugleich das Motto und die große Frage auf der SZ-Fachkonferenz Run-off 2017. Die Eiopa schätzt das Potenzial von Bestandsverkäufen immerhin als so bedeutend ein, dass sie jetzt eine Arbeitsgruppe gegründet hat, die sich mit der Run-off-Thematik beschäftigt, berichtete Executive Director Fausto Parente in seiner Keynote. Dies ist nicht zuletzt die Folge der Einführung von Solvency II, das die Unternehmen dazu zwingt, ihre Risiken mit mehr Eigenkapital zu unterlegen und so Kapital zu binden, das anderweitig – beispielsweise für den Ausbau der Digitalisierung – dringend gebraucht wird. Parente und auch Arndt Grossmann, Vorstandsvorsitzender der Darag, die sich seit 2009 auf den Run-off im Nicht-Leben-Geschäft spezialisiert hat, schätzen Deutschland dabei als den wichtigsten europäischen Markt ein. Bei einem Run-off-Potenzial von insgesamt 247 Mrd. Euro in Europa entfallen auf den deutschen Markt 113 Mrd. Euro, an zweiter Stelle folgt der Benelux-Raum.

Es gibt auch Alternativen zum Run-off

In Europa werden 48 Prozent passiv verwaltet, 28 Prozent aktiv durch den bisherigen Besitzer, 24 Prozent sind extern vergeben.Der Brexit könne, so Grossmann, das Run-off-Geschäft weiter befeuern. Der Verkauf eines Versicherungsbestands an ein anderes Unternehmen ist allerdings nur eine Option, machte Philipp Gmür, CEO der Helvetia-Gruppe, deutlich. Eine Alternative ist die Neuausrichtung von schwächelnden Produkten, beispielsweise in der Lebensversicherung, die besonders stark unter der aktuellen Niedrigzinsphase leidet. Gmür stellte dar, wie man mit einer Fokussierung auf eigenkapitalschonende Produkte erfolgreich sein und den Run-off vermeiden kann.
Sylvain Villeroy de Galhau, CEO Axa Lia­bilities Managers Group, plädierte dagegen für einen aktiven Umgang im Unternehmens-Management mit dem Thema Run-off. Dies könne helfen, die Probleme zu lösen, die aus älter werdenden Teams und schnell veraltender IT entstehen. Es sei besser, wenn sich die Mitarbeiter mit ihrer Erfahrung auf die aktiven Kunden konzentrieren und risikoreiche Bestände deshalb abgegeben werden.
Manfred Dirrheimer, Vorstandsvorsitzender der FWU AG, die seit 1996 im Run-off-Geschäft ist, sieht im Abgeben unrentabler Bestände an einen Spezialisten deutliche Effizienzgewinne und rechnete vor, wie es seinem Unternehmen gelingt, durch eine Verbesserung des Stornoprofils, der Reaktivierung von Neugeschäftspotenzialen und Kostensenkungen mit Hilfe des weltweiten Netzwerks der FWU 40 Prozent…