Erschienen in Ausgabe 3-2017Trends & Innovationen

„Man braucht Leute, die sowohl IT als auch Versicherung verstehen“

Michał Trochimczuk von Sollers Consulting erklärt, warum die meisten IT-Projekte der Versicherer scheitern

Versicherungswirtschaft

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„Man braucht Leute, die sowohl IT als auch Versicherung verstehen“

Michał Trochimczuk von Sollers Consulting erklärt, warum die meisten IT-Projekte der Versicherer scheitern

Haben Standardsysteme gegenüber Eigenentwicklungen einen Vorteil und, wenn ja, worin liegt der?

Ein neues System zu bauen bedarf enormer Anstrengungen und bedeutet einen immensen Zeitaufwand. Realistisch sind vier bis fünf Jahre. Kritisch für den Erfolg ist zudem ein gutes Team, dass sowohl über das fachliche, als auch über das technische Know-how verfügt. Man braucht Leute, die beide Sprachen (IT und Versicherung) verstehen und sprechen. Wenn man etwas Neues baut, ist die Stabilisierung eine große Herausforderung. Eigenentwicklungen sind sehr fehleranfällig. Das Hinzufügen neuer Funktionalitäten bedeutet erneuten Konzeptions- und Stablilisierungsaufwand.
Standardsysteme erfüllen viele Anforderungen an Funktionalitäten und garantieren Stabilität. Sie wurden bereits bei vielen Versicherern umgesetzt und haben sich bewährt. Die Frage, wie man Standardsysteme umsetzt, ist entscheidend. In Deutschland wollen viele Versicherer die Systeme an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen und halten an alten Denkmustern fest. Das führt zu erheblichem Mehraufwand und Mehrkosten. Die bessere Vorgehensweise ist es zunächst, eigene Prozesse an das System anzupassen und komplexe Produkte zu überdenken. Danach kann man Lücken adressieren. Eine Weiterentwicklung wird so günstiger gestaltet. Beispiele aus Polen (Grupa Powszechny Zakład Ubezpiecze – PZU) und der Schweiz (Basler) zeigen, dass dieser Weg zum Erfolg führt.

Werden sich die Geschäftsprozesse in Zukunft nach der Software richten? Wird Versicherung in Zukunft eine Funktion der IT?

Teilweise ja, sie müssen sich gegenseitig beeinflussen. Kernprozesse müssen bestehen bleiben und die Software dementsprechend angepasst werden. Die Nebenprozesse sollten hingegen angepasst werden, um die Komplexität und die Kosten der Umsetzung zu verringern.
Es gibt Märkte, in denen Out-of-the-Box (OOTB) sehr gut funktioniert. Ein System muss zunächst auf marktspezifische Anforderungen angepasst werden. Danach ist der Umsetzungsaufwand des Systems viel geringer. Der erste Versicherer, der ein neues System auf einem Markt einführt, trägt zunächst diese Investition. Viele Versicherer warten dementsprechend ab und folgen bei erfolgreicher Einführung. Es gibt aber auch Vorteile, die Rolle des Pioniers einzunehmen und der Erste zu sein, da man eine größere Unterstützung von…