Erschienen in Ausgabe 3-2017Unternehmen & Management

Das dicke Ende kommt erst noch

Die Zinsen werden steigen, so auch die Zinszusatzreserve – Versicherer fordern eine Änderung der Berechnungsgrundlage

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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In den nächsten neun Jahren werden die Lebensversicherer mindestens drei Mal so viel Zinszusatzreserve (ZZR) bilden müssen wie bis Ende 2016. Nach voraussichtlich 13 Mrd. Euro Zuführung für 2016 beläuft sich die seit 2011 für die klassischen Garantien im Deckungsstock zu bildende ZZR auf rund 45 Mrd. Euro. Bis 2025 erreicht die ZZR nach Berechnung der Ratingagentur Assekurata 196 Mrd. Euro – das ist gut doppelt so viel wie das gesamte Beitragsaufkommen des Jahres 2016 bzw. fast ein Viertel der aktuellen Kapitalanlagen. „Wir müssen verhindern, dass die bisherige Berechnungsformel für die Bildung der ZZR unsere Unternehmen überfordert“, warnt GDV-Präsident Alexander Erdland. Deutlicher wird Assekurata-Chef Reiner Will bei der Vorstellung seiner neuen Marktstudie 2017: „Der Patient darf nicht an der Medizin sterben. Es kann passieren, dass Gesellschaften in der HGB-Welt dadurch insolvent werden, während sie unter Solvency II mit der Übergangsfrist von 15 Jahren solvent sind.“
Selbst bei Zinserhöhungen bliebe das ZZR-Erfordernis aufgrund der Berechnungsmethode bestehen. Ob und wie viel der ZZR zugeführt werden muss, bestimmt ein Referenzzins, der sich aus dem Durchschnitt der Monatsendstände von Null-Kupon-Euro-Zinsswapsätzen mit zehnjähriger Laufzeit über die letzten zehn Jahren ergibt. Für 2016 rutschte der Referenzzins auf 2,54 Prozent, wodurch erstmals auch für die Tarife mit einem Garantiezins von 2,75 Prozent Reserven gebildet werden müssen. Mittlerweile sind der Assekurata-Studie zufolge zwei Drittel der Bestände von der Zinszusatzreserve betroffen. 2007 und 2008 lagen die in diese Referenzzinsberechnung eingehenden Jahresmittelwerte der Swapsätze noch bei 4,25.
Im vergangenen Sommer hatte Assekurata verschiedene Zinsszenarien durchgerechnet. Das Ergebnis: Im günstigen Fall betrug der ZZR-Topf bis 2025 nur 125 Mrd. Euro, im ungünstigen 225 Mrd. Euro. Für die Seitwärtsbewegung der Zinsen errechnete sie rund 175 Mrd. Euro. In ihrer aktuellen Marktstudie kann sie die auf 196 Mrd. Euro geschätzte Zinszusatzreserve bis 2025 nun auch plausibilisieren. Denn erstmals hatte Assekurata auch den in § 139 Abs. 4 VAG durch das LVRG definierten Sicherungsbedarf bei den Unternehmen abgefragt. Dieser ergibt sich als Lücke der Deckungsrückstellung, wenn die Versicherungsverpflichtungen mit dem Marktzinssatz neu bewertet werden. Von den 52 Studienteilnehmern hatten 31 Gesellschaften ihren Sicherungsbedarf beziffert. Diese Zahl war hochgerechnet worden – und entspricht…