Erschienen in Ausgabe 3-2017Märkte & Vertrieb

Bei Firmenpleite ist der Versicherer dran

Insolvenzrisiko für Manager und D&O-Versicherer stellt ein systemisches Risiko dar

Von Diederik SutoriusVersicherungswirtschaft

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Klamm in der Kasse, demnächst pleite oder reif für die Insolvenz? In der Rückschau lässt sich das leichter feststellen, ab welchem Zeitpunkt beim Management die Alarmglocken hätten läuten müssen. Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) aus dem Jahr 2011 wollte einen Wandel in der Sanierungskultur in Deutschland anstoßen. Weniger Zerschlagungsprocedere und mehr Möglichkeiten zur Fortführung von Unternehmen. Insolvenzanträge sollten früher gestellt, die Substanz der Firmen besser gesichert und so volkswirtschaftliche Potenziale und Vermögen möglichst erhalten bleiben. Das neue Insolvenzplanverfahren mit seinen Sanierungstools, Schutzschirm, Eigenverwaltung und Gläubigerausschüssen mag in speziellen Situationen für das Management eines betroffenen Unternehmens ein geeignetes letztes Mittel sein. Ein konstruktiverer Ansatz in Krisenfällen ist es leider nur deswegen schon nicht, weil es, anders als zum Beispiel in den USA, ein Insolvenzverfahren bleibt und somit schon deshalb stigmatisierend wirkt.
Mit der Eröffnung des Insolvenzplanverfahrens beginnt eine Reihe von Problemen und Haftungsrisiken. Die Kenntnis der Marktteilnehmer über die Schieflage des Unternehmens lockt mehr oder weniger dubiose Finanzinvestoren, alarmiert Lieferanten und Kunden und lässt Banken und Kreditgeber in den Notfall-Modus wechseln. In der Kürze der Zeit ist es für Manager, auch unter einem Schutzschirm, extrem schwierig, in eigener Verwaltung alle Gläubiger auf eine Linie zu bringen. Ein Drittel dieser Schutzschirmverfahren geht in die Regelinsolvenz über, so die Zahlen der Insolvenz-Studie 2015 der Wirtschaftskanzlei Noerr und McKinsey & Company.

Pflichtverletzungen der Manager werden per se angenommen

Insbesondere der Zeitraum zwischen Insolvenzreife (man kann darüber streiten, wann das ist) und Insolvenzantrag ist geradezu ein Minenfeld für das Management. Kommt es zur Insolvenz, werden ihnen ihre Sanierungs- und Restrukturierungsbemühungen und eingegangenen Verbindlichkeiten oft um die Ohren gehauen. Das führt zu enormen Forderungssummen, für die die Manager persönlich haften. Hier reicht, anders als in den meisten europäischen Ländern, einfache Fahrlässigkeit als Verschuldensmaßstab schon aus. Ihr gesamtes Privatvermögen und ihre Reputation stehen auf dem Spiel, bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen wegen behaupteter Insolvenzverschleppung.
Im Laufe der letzten Jahre ist es zur Gewohnheit geworden, bei Insolvenzen grundsätzlich eine…